Bildungsimmobilien – die übersehene Zukunftsassetklasse

15.03.2026

Autor

Birte Becker

Birte Becker

Head of Origination Real Estate Funds

LBBW Immobilien

Blogbeitrag

Bildungsimmobilien – die übersehene Zukunftsassetklasse

Die Immobilienwelt sortiert sich neu. Während Büro, Einzelhandel und Hotel weiterhin zu den etablierten Segmenten gehören, wirken drei Entwicklungen wie ein Seismograf für den Wandel: Homeoffice verändert die Büroflächenbedarfe grundlegend, die Zinswende hat Kalkulationsmodelle ins Rutschen gebracht und der Siegeszug des Onlinehandels drückt auf Mieten im stationären Geschäft. Viele klassische Immobilienstrategien liefern nicht mehr die Stabilität früherer Jahre. Dabei entsteht jenseits der bekannten Segmente ein Markt, der lange unzugänglich war – Bildungsimmobilien.

Ein Segment zwischen Bedarf und Vernachlässigung 
Bildungsimmobilien umfassen ein breites Spektrum: Schulen, Kitas, Hochschulen, Berufsschulen, Weiterbildungseinrichtungen und Bibliotheken. Trotz dieser zentralen Rolle für die Gesellschaft tauchen sie in institutionellen Portfolios bislang kaum auf. Das liegt weniger an mangelndem Interesse als vielmehr am fehlenden Angebot: Vor allem Schulen und Hochschulen sind selten investierbar strukturiert.

Dabei ist das Potenzial enorm. Der Modernisierungs- und Erweiterungsbedarf allein bei Schulen und Kitas wird auf rund 68 Milliarden Euro geschätzt – 40 Prozent mehr als im Straßenbau. Die meisten Kommunen können diesen Bedarf jedoch weder finanziell noch personell stemmen. Förderprogramme decken im Durchschnitt nur 22 Prozent der Investitionen. 

Warum Bildungsimmobilien für Investoren interessant werden 
Für institutionelle Anleger eröffnet sich damit ein Feld, das sowohl wirtschaftlich attraktiv als auch gesellschaftlich relevant ist. Private Partner können Projekte schneller und effizienter realisieren, insbesondere wenn sie modular planen. Moderne modulare Konzepte ermöglichen Entwicklungszeiten von rund zwei Jahren bei Herstellungskosten zwischen 2.700 und 3.500 Euro/m² – ohne Qualitätsverlust und mit hoher architektonischer Flexibilität.

Unter diesen Bedingungen entstehen Ausschüttungsrenditen von 4,5 bis 5 Prozent. Eine Besonderheit: Bildungsimmobilien bieten aufgrund langfristiger öffentlicher Betreiber häufig Mietvertragslaufzeiten von bis zu 30 Jahren – ein Stabilitätsanker in volatilen Marktphasen.

Regionale Kapitalpartner statt Spekulationsdruck 
Weil Bildungsimmobilien Teil der öffentlichen Infrastruktur sind, spielt die Wahl der Kapitalgeber eine zentrale Rolle. Regional verankerte Investoren – Sparkassen, Genossenschaftsbanken, Versicherungen oder Pensionskassen – verfügen über das nötige Verständnis kommunaler Anforderungen. Sie agieren nachhaltiger und langfristiger, was die notwendige Vertrauensbasis stärkt.

Markt mit Potenzial: Bildungsimmobilien gewinnen an Bedeutung 
Der Markt für Bildungsimmobilien entwickelt sich zunehmend zu einem relevanten Segment, bleibt jedoch weiterhin von politischer Komplexität, schwer zugänglichen Förderstrukturen, einer dünnen Datenbasis und einem anspruchsvollen Finanzierungsumfeld geprägt. Zusätzlich erschweren unterschiedliche Prozesslogiken von Kommunen und Privatwirtschaft die Zusammenarbeit – häufig fehlt ein gemeinsames Verständnis für Risiken, Abläufe und Entscheidungswege.

An dieser Schnittstelle sind Akteure gefragt, die sowohl kommunale Bedürfnisse verstehen als auch immobilienwirtschaftliche Expertise einbringen. Erfolgsentscheidend ist ein klar strukturierter Rahmen, der Planungssicherheit schafft, Prozesse beschleunigt und Transparenz über Risiken ermöglicht. Dazu gehören strategisch abgestimmte Modelle, die Kommunen bei der Realisierung komplexer Projekte entlasten und institutionellen Anlegern langfristige Stabilität bieten.

Grundlage für tragfähige Projekte bleibt eine Zusammenarbeit auf Augenhöhe – geprägt von Offenheit, verlässlicher Kommunikation und klar definierten gemeinsamen Zielen. Nur wenn diese Voraussetzungen erfüllt sind, können aus guten Absichten dauerhaft funktionierende und gesellschaftlich relevante Bildungsimmobilien entstehen.

Ausblick: eine kommende Assetklasse 
In den nächsten fünf bis zehn Jahren dürften sich Bildungsimmobilien als feste Nutzungsart etablieren. Der steigende Investitionsbedarf, wachsende Branchenexpertise und eine zu erwartende Ausweitung des Fremdkapitals bilden die Grundlage dafür. Gleichzeitig verbindet das Segment wirtschaftliche Stabilität mit sozialem Impact – ein zunehmend wichtiges Kriterium für institutionelle Anleger.

Was Investoren beachten sollten 
Erfolgreiche Engagements erfordern langfristiges Denken und einen Fokus auf Ausschüttungen. Standortqualität bleibt trotz langfristiger Mietverträge ein entscheidender Faktor. Gleichzeitig sollten Investoren ihr Portfolio nicht zu kleinteilig fragmentieren, da Personalressourcen im Asset- und Property-Management begrenzt sind.

 

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