Interview: „Einzelhandel 2026: Ein Jahr der Stabilität“

20.05.2026

Autor

Uwe Seidel

Uwe Seidel

Diplom-Kaufmann

Blogbeitrag

„Einzelhandel 2026: Ein Jahr der Stabilität“

Redaktion: Herr Seidel, Sie sind geschäftsführender Gesellschafter bei Dr. Lademann & Partner. Wie sind Sie zur Immobilienberatung gekommen? 

Uwe Seidel: Letztendlich hing es mit meinem BWL-Studium zusammen. Ich bin früh während des Studiums in die Beratung gegangen, hatte viel mit mittelständischen Unternehmen zu tun und erste Anknüpfungspunkte mit Handelsunternehmen. Dann hatte ich die Chance, bei Dr. Lademann & Partner anzufangen und frühzeitig Anteile zu erwerben. Seit 2006 bin ich geschäftsführender Gesellschafter – und dieses Jahr feiert unser Unternehmen das 40-jährige Jubiläum. 

Redaktion: Wie war das Jahr 2025 für den deutschen Einzelhandel? 

Uwe Seidel: Das Jahr 2025 war zweigeteilt. Das erste Halbjahr war voller Euphorie nach dem politischen Wechsel und der Hoffnung auf Wirtschaftswachstum. Das verpuffte dann im zweiten Halbjahr etwas. Was wir aber gesehen haben: Durch die Ankündigung der Reformen und die Preisentwicklung bei Immobilien ist das Transaktionsgeschehen wieder angesprungen. Wir haben die ersten Markt-Due-Diligences auch wieder für Handelsimmobilien geschrieben – für uns ein klares Signal, dass der Markt zurückkommt.

Redaktion: Wie ist Ihr Blick auf 2026? 

Uwe Seidel: Das Jahr 2026 wird kein Riesenjahr des Aufschwungs, aber eines, das uns die Planungssicherheit zurückgibt – ein Jahr der Stabilität. Viele haben immer gesagt, der Handel sei langweilig, aber gerade durch diese Stabilität ist er eine gute Assetklasse. 2026 kann aber noch besser werden, wenn Reformen greifen und die Verbraucherinnen und Verbraucher wieder Vertrauen schöpfen. Gerade der Non-Food-Einzelhandel hängt sehr stark an dieser Verbraucherstimmung. 

Redaktion: Wie beurteilen Sie die Bedrohung durch Plattformen wie Shein, Temu und AliExpress für den stationären Non-Food-Handel?

Uwe Seidel: Tatsächlich haben diese Plattformen innerhalb kürzester Zeit ihre Marktwirksamkeit in Deutschland entfaltet. Jede steht für etwa drei bis vier Milliarden Euro Transaktionsumsatz – zum Teil unter Umgehung zahlreicher Vorschriften. Ein Level Playing Field wiederherzustellen ist daher enorm wichtig. Meine Hoffnung ist: Wenn das Wirtschaftswachstum anzieht und das Konsumentenvertrauen zurückkehrt, dann besteht die Chance, diese Plattformen in ihrem Erfolg etwas zu dämpfen.

Redaktion: Fachmärkte sind bei Investoren besonders beliebt. Was ist Ihre Beobachtung? 

Uwe Seidel: Fachmärkte und insbesondere Fachmarktzentren sind der Investorenliebling, weil man den stabilen Cashflow aus dem Food-Retail schätzt. Gleichwohl sind das Objekte, mit denen man sich im Sinne eines aktiven Asset Managements ständig beschäftigen muss – sei es die Flexibilisierung des Bauplanungsrechts für Nachvermietung oder Mix-Anreicherungsstrategien mit medizinischen Versorgungszentren. Es geht im Kern darum, die Bestandsobjekte im Wert zu sichern und zu steigern, um sie für die nächste Zyklusphase exitfähig zu machen. 

Redaktion: Was ist Ihre zusammenfassende Prognose für den Handel in 2026? 

Uwe Seidel: Ich hoffe, dass ich nächstes Jahr sagen kann: Das Wirtschaftswachstum hat angezogen, besser als wir Anfang 2026 noch vermutet haben. Nicht nur das Verbrauchervertrauen ist zurück, sondern auch das Vertrauen der Anleger. Lebensmittelgeankerte Fachmarktzentren wären dann noch stärker im Transaktionsgeschehen vertreten. Und letztlich stecken in diesen Immobilien unsere Altersvor sorge, unsere Versicherungsund Pensionskassengelder – dafür lohnt es sich, jeden Tag aufzustehen.

Redaktion: Vielen Dank für das Gespräch.

Uwe Seidel ist Diplom-Kaufmann und verfügt über mehr als 25 Jahre Erfahrung in der immobilienwirtschaftlichen Beratung. Er ist spezialisiert auf Fragen der wertsteigernden Weiterentwicklung sowie der Revitalisierung von Handelsimmobilien. Herr Seidel engagiert sich im Ausschuss Handel des ZIA, ist Referent auf Fachveranstaltungen, Fachbuchautor sowie Mitglied im Ausschuss Stadtentwicklung der Hamburger Handelskammer.

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