Freiwillige Nachhaltigkeitsberichterstattung (VSME)

18.07.2025

Autor

Susanne Hübel

Susanne Hübel

Head of Operations

fiveandfriends GmbH Agentur für Kommunikation

Blogbeitrag

Freiwillige Nachhaltigkeitsberichterstattung (VSME)

Stellen Sie sich vor, Sie verantworten die Investments eines großen Pensionsfonds mit einem breit diversifizierten Immobilienportfolio in deutschen Metropolregionen. Nun stehen Sie im Rahmen eines Bieterwettbewerbs für ein öffentlich gefördertes Infrastrukturprojekt vor der Aufgabe, die ESG-Strategie des Fonds transparent zu machen. Obwohl Ihnen formell keine konkrete Berichtspflicht im Rahmen der CSRD obliegt, müssen Sie also strukturierte Informationen über Umwelt- und Sozialstandards im Bestand sowie über den Governance-Rahmen des Fonds erbringen.

Genau hier setzt die Freiwillige Nachhaltigkeitsberichterstattung (VSME) an. Sie ermöglicht es, vorhandene ESG-Daten, strategische Ziele und die Investitionsphilosophie des Fonds glaubwürdig darzustellen – und so die Erfolgschancen auf den Zuschlag zu erhöhen.

Was ist VSME?
Die freiwillige Nachhaltigkeitsberichterstattung, im Englischen oft als „Voluntary Sustainability Management and Reporting“ (VSME) bezeichnet, umfasst genau diese nicht verpflichtende, aber strategisch wertvolle Offenlegung von ESG- Informationen. Dabei stützen sich Investoren auf anerkannte internationale Berichtsstandards wie die Global Reporting Initiative (GRI), die Empfehlungen der Task Force on Climate-related Financial Disclosures (TCFD) oder auf ESG Benchmarks wie GRESB (Global ESG Benchmark for Real Assets). Solche freiwilligen Berichte sind nicht nur Ausdruck von Verantwortungsbewusstsein, sondern zunehmend auch ein Wettbewerbsvorteil.

Ein zentrales Motiv für institutionelle Investoren ist die verbesserte Kommunikation mit Stakeholdern. Co-Investoren und sonstige Finanzierer, Mieter, Behörden und Öffentlichkeit erwarten zunehmend glaubwürdige Informationen über nachhaltiges Handeln. Laut einer PwC- Befragung halten rund 80 % der Anleger ESG-Leistung für investitionsentscheidend1.

Auch das Risikomanagement spielt eine wichtige Rolle. ESG-Risiken wie Klimafolgen, Regulierung oder soziale Spannungen wirken sich auf Immobilienwerte und Betriebskosten aus. Viele Marktakteure empfinden die ESG-Vorgaben als schwer greifbar – was Due-Diligence-Prozesse erschwert. Ein strukturierter VSME-Bericht kann dabei helfen, Risiken systematisch zu erfassen und zu steuern, was die Resilienz des Portfolios stärkt.

Darüber hinaus verbessert VSME den Zugang zu weiterem Kapital. Fehlen jedoch ESG-Daten oder gelten sie als unglaubwürdig, ziehen sich Investoren nachweislich zurück2. Ein nachvollziehbarer Nachhaltigkeitsbericht schafft hier Vertrauen und erleichtert die Aufnahme in ESG-Fonds sowie den Zugang zu Green Bonds oder Gründarlehen.

Ein hochwertiger ESG-Bericht behandelt dabei mehrere Dimensionen: Die Strategie sollte klar und in der Unternehmensführung verankert sein. Umweltfaktoren wie Energieverbrauch, Emissionen oder der Anteil effizienter Gebäude gehören ebenso dazu wie soziale Aspekte – etwa Mieterzufriedenheit, Barrierefreiheit oder faire Arbeitsbedingungen. Die Governance umfasst Themen wie Compliance, Transparenz und Korruptionsvermeidung.

Fehlende Kennzahlen werden dabei zunehmend als Greenwashing wahrgenommen oder führen zumindest zu Irritationen – eine Sorge, die 94 % institutioneller Investoren teilen3.

Die Umsetzung von VSME ist ähnlich herausfordernd wie das bisher verpflichtende Reporting. Das ist Nach- und Vorteil zugleich. Nachteil, denn der Aufwand sind kaum. Vorteil, weil die meisten Unternehmen bisher ohnehin bereits ein leistungsfähiges Reporting aufgebaut haben. Eine konsistente ESG-Datenbasis erfordert in jedem Fall die enge Zusammenarbeit von Asset-, Property- und Facility-Managern sowie digitale Tools zur Automatisierung von Prozessen. Die Orientierung an anerkannten Standards hilft dabei, Unschärfen zu vermeiden.

Fazit: VSME schafft strategischen Mehrwert
In der Summe zeigt sich, dass VSME für institutionelle Immobilieninvestoren ein wirkungsvolles Instrument zur Steuerung, Kommunikation und Positionierung darstellt. Auch wenn die Umsetzung mit Herausforderungen verbunden ist, bietet die freiwillige Nachhaltigkeitsberichterstattung langfristig einen strategischen Mehrwert – sowohl im Risikomanagement als auch bei der Kapitalakquise und im Reputationsaufbau. Denn ob die aktuelle Situation so freiwillig bleibt, wie es derzeit aussieht, ist angesichts der enormen Dynamik in der Regulatorik weiterhin offen. Und wer möchte schon das bisherige Know-how aufgeben, um es sich in wenigen Jahren wieder mühsam zu erarbeiten. Zudem ist die „Freiwilligkeit“ ohnehin nur scheinbar gegeben, denn spätestens im An- und Verkaufsprozess ist das Reporting bereits heute von den weiteren Projektbeteiligten gefordert und somit letztlich ohnehin unabdingbar.

Daher fragen Sie sich bitte auch künftig nicht nur, was Sie im Rahmen Ihres Reportings erfassen und berichten müssen, sondern vor allem, was Ihnen und Ihren Investitionsentscheidungen langfristig einen (strategischen) Mehrwert bietet. Die Nutzung des VSME-Frameworks als nicht verpflichtende, aber strukturell sinnvolle und anwendbare (weil vergleichbare) Vorgabe gehört sehr wahrscheinlich dazu.

 

 

(1) ESG Investor Survey, PwC
(2) www.revipartners.it/de/nachrichten/43-zwischen-obligatorischer-und-freiwilliger-nachhaltigkeitsberichterstattung-warum-freiwillige-nachhaltigkeitsberichterstattung.html
(3) Global Investor Survey 2024, PwC

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