
Freiwillige Nachhaltigkeitskommunikation
Autor
Stefan Stüdemann

Blogbeitrag
Freiwillige Nachhaltigkeitskommunikation
Stellen Sie sich vor, es ist freiwillig. Und alle machen es. So oder ähnlich könnte eine Marktbeobachtung bereits in der nahen Zukunft bei Thema freiwillige Nachhaltigkeitsberichterstattung lauten.
Denn mit der Veröffentlichung des VSME (Voluntary Sustainability Reporting Standard for non‑listed SMEs) und den jüngsten Entwicklungen hat dieses Framework das Potenzial, einen neuen Standard zu legen.
Was ist neu – und was hat es mit unserer Branche zu tun?
Am 30. Juli 2025 hat die EU‑Kommission eine neue Empfehlung veröffentlicht: Nicht gelistete KMU sollen bei freiwilliger Berichterstattung den von EFRAG entwickelten VSME1 nutzen; große Unternehmen und Finanzinstitute sollen ihre Anfragen an KMU möglichst darauf stützen. Ziel: weniger Fragebogen‑Wildwuchs, bessere Vergleichbarkeit, leichterer Zugang zu Finanzierung. Die Empfehlung wird von einer Q&A‑Erläuterung begleitet und in den Omnibus‑Vorschlägen als Basis für einen künftigen (freiwilligen) Delegierten-Standard für Unternehmen bis 1.000 Mitarbeitende verankert2,3.
Warum passt VSME so gut zur Immobilienpraxis?
Die Branche arbeitet ohnehin mit portfoliobezogenen Standards wie GRESB (Investoren‑Benchmark), CRREM (Dekarbonisierungspfad und Stranding‑Risiko) sowie dem ECORE‑Scoring (deutschsprachiger Branchenstandard auf Objekt‑/Portfolioebene). VSME ergänzt diese Ebene um unternehmensbezogene, schlanke Offenlegungen – ideal für Property‑ und Facility‑Manager, Bau‑ und TGA‑KMU oder regionale Asset‑Manager, die regelmäßig Daten liefern.
Wer nutzt das bereits – und wie?
Die ersten öffentlichen VSME‑Berichte kommen (noch) überwiegend aus anderen Branchen – zeigen aber, dass das Framework funktioniert. Parallel entstehen VSME‑basierte Abfrage‑Ökosysteme: Supplier‑Onboarding‑Tools bilden VSME‑Fragenkataloge ab; spezialisierte Real‑Estate‑Berater digitalisieren VSME‑Workflows. Auch IHKen geben 5‑Schritte‑Guides für KMU heraus – ein Indikator, dass der Standard in der Breite ankommt4.
Welcher Mehrwert entsteht konkret im Asset‑ und Transaktionsalltag?
Im Asset- und Transaktionsalltag bietet VSME einen klaren Mehrwert, indem es Prozesse vereinfacht, die Glaubwürdigkeit von Nachhaltigkeitsangaben stärkt und eine hohe Kompatibilität mit etablierten Immobilien-Kennzahlen sicherstellt. So ersetzt ein VSME-Bericht mehrere Einzelabfragen, die Banken und große Bestandshalter künftig gezielt an VSME ausrichten sollen. Das reduziert Reibungsverluste bei Due-Diligence-Prüfungen und Ausschreibungen, erleichtert die Finanzierung – etwa über Green Loans – und verbessert die Chancen auf die Teilnahme an öffentlichen Projekten5. Gleichzeitig schafft VSME belastbare und strukturierte Angaben, die gegenüber Kommunen, Mietern und Investoren Vertrauen aufbauen. Dies ist insbesondere relevant, da laut PwC 94 % der Investoren in heutigen Nachhaltigkeitsberichten nicht belegte Behauptungen sehen6. Darüber hinaus lässt sich VSME nahtlos mit gängigen Immobilien-KPIs wie den CRREM-Kennzahlen (kWh/ m², kg CO2 e/m², Stranding-Jahr) sowie GRESB-Modulen verknüpfen. Bei ECORE- oder DGNB-Projekten können dieselben Basisdaten genutzt werden – ein Datensatz, viele Zwecke.
Hürden – woran scheitert es (noch)?
Aber natürlich gibt es neben viel Licht auch Schatten. Denn der Aufbau eines belastbaren Datenhaushalts und einer funktionierenden Messinfrastruktur bleibt eine zentrale An- und Herausforderung für die Umsetzung von VSME. Ohne saubere Prozesse und klare Strukturen wird auch der VSME-Datenbestand lückenhaft bleiben. Gleichzeitig gilt: Das im VSME verankerte Prinzip „If applicable“ ist kein Freibrief für weite Interpretationsspielräume. Zwar ist der Standard verhältnismäßig angelegt, erfordert jedoch nachvollziehbare Begründungen für Auslassungen – andernfalls könnte die bestehende Greenwashing-Skepsis schnell wieder auf den Berichterstatter zurückfallen7.
Fazit: Freiwillig – aber notwendig
Mit der EU‑Empfehlung wird VSME zum de‑facto Referenzrahmen in Lieferketten – besonders dort, wo Immobilienunternehmen mit vielen KMU‑Dienstleistern arbeiten. Er reduziert Aufwand, erhöht Vergleichbarkeit und stärkt Reputation – gerade, weil er freiwillig ist und damit Signalwirkung entfaltet. Meine Empfehlung: Nutzen Sie VSME für Ihr Nachhaltigkeitsreporting. Nicht, weil Sie es müssen. Sondern, weil es Sinn macht.
1 https://www.efrag.org/en/projects/voluntary-reporting-standard-for-smes-vsme/concluded
2 https://finance.ec.europa.eu/publications/commission-presents-voluntary-sustainability-reporting-standard-ease-burden-smes_en
3 https://eur-lex.europa.eu/legal-content/EN/TXT/PDF/?uri=CELEX%3A32025H1710
4 https://www.ihk-muenchen.de/ratgeber/nachhaltigkeit-csr/nachhaltigkeitsberichterstattung/5-schritte-vsme-bericht/
5 https://finance.ec.europa.eu/publications/commission-presents-voluntary-sustainability-reporting-standard-ease-burden-smes_en
6 https://www.pwc.com/th/en/press-room/press-release/2024/pressrelease-10-01-24-en.html
7 https://kpmg.com/at/de/home/insights/2025/04/vsms-standard-zur-freiwilligen-nachhaltigkeitsberichterstattung.html
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