
Interview: Zielgruppengerechter Wohnraum ist ein entscheidender Baustein des sozialen Zusammenhalts
Autorin
Prof. Dr. Ute Knippenberger

Blogbeitrag
Interview: Zielgruppengerechter Wohnraum ist ein entscheidender Baustein des sozialen Zusammenhalts
Redaktion: Frau Knippenberger, Sie sind Geschäftsführerin der Stadtentwicklungsgesellschaft Wiesbaden. Stellen Sie uns die SEG kurz vor?
Ute Knippenberger: Wir wurden in den 1990er-Jahren als Gebietsentwicklerin für Transformationsflächen gegründet – Bahnflächen, militärische Flächen – und feiern in diesem Jahr unser 30-jähriges Jubiläum. Neben der Gebietsentwicklung für die Landeshauptstadt Wiesbaden kaufen wir seit einigen Jahren auch Schlüsselimmobilien an, die aus Sicht der Stadt in kommunaler Hand besser aufgehoben sind.
Redaktion: Wie sind Sie persönlich in die Immobilienwirtschaft gekommen?
Ute Knippenberger: Über Architektur und Stadtplanung an der TU Darmstadt. Mich hat immer interessiert, wie Märkte funktionieren – und warum manches, was wir uns als Planer überlegen, nicht marktgerecht ist. In der kommunalen Stadtplanung habe ich viele städtebauliche Verträge mit Investoren verhandelt, 2021 folgte die Professur an der TH Aschaffenburg. Da fühlte ich mich gerüstet, meinen Hut für die SEG in den Ring zu werfen.
Redaktion: Was ist aus Stadtentwicklungsperspektive „richtiger und guter Wohnraum“?
Ute Knippenberger: Die Bereitstellung von zielgruppengerechtem Wohnraum ist ein ganz entscheidender Baustein des sozialen Zusammenhalts. Unsere Demokratie steht unter Druck wie nie – und stabile Demokratien sind ein wesentlicher Baustein für Wohlstand und die Grundlage für gutes Investieren. Beides hängt unmittelbar zusammen, denn Wohnraum ist ein Polarisierungsthema. Je stärker wir in der Breite schauen, was wir als Gesellschaft brauchen, desto eher wird Wohnen ein Thema für alle.
Redaktion: Das Thema Miete ist hochemotional. Schafft die absehbare Mietentwicklung zusätzlichen sozialen Sprengstoff?
Ute Knippenberger: Im Durchschnitt sind wir gut aufgestellt. Bei Geringverdienern in urbanen Ballungsräumen aber – genau den Menschen, die das Gemein wesen am Laufen halten – geht die Wohnkostenbelastung Richtung 35 bis 40 Prozent des Nettoeinkommens. Dann wird aus der Wahrnehmung, Miete sei ein Problem, ein faktisches Problem. Wir reden viel über den Mietzins pro Quadratmeter, am Ende zählt aber auch die Wohnungsgröße: Förderfähige Grundrisse im Neubau bedeuten kleinere Wohnungen bei gleicher Zimmerzahl – die bleiben auch bei hohen Quadratmetermieten leistbar.
Redaktion: Blick in den Bestand: Wenn Wohnportfolios von Investor zu Investor weitergereicht werden – kann man das besser machen?
Ute Knippenberger: Der Einstieg großer Bestandshalter wurde sehr kritisch begleitet – Stichwort „Heuschrecke“. Auf Zahlenbasis spielt das nur in den ganz großen Ballungsräumen eine Rolle, einen echten Wandel gab es nur in Berlin. Daneben steht eine große Gruppe privater Eigentümer mit ein, zwei Mehrfamilienhäusern, die den Sprung in die Sanierung nicht schaffen, weil Kapital und Know-how fehlen. Und es gibt negative Entwicklungen: Das „rote Hochhaus“ in Wiesbaden hat über zehn, fünfzehn Jahre ein ganzes Quartier nach unten gezogen – wir haben es zurückgekauft. Solche Externalitäten preist der einzelne Marktakteur nicht ein, die Stadt aber sehr wohl.
Redaktion: Zum Abschluss ein kleiner Forecast: Was berichten Sie uns in einem Jahr Neues?
Ute Knippenberger: Ich hoffe, dass wir mit dem Projektgebiet Ostfeld weiter sind – ein wesentlicher Beitrag für den Wiesbadener Wohnraum. Wir agieren dort als Treuhänderin der Landeshauptstadt in einer Stadtentwicklungsmaßnahme; das gab es in Hessen zuletzt beim Riedberg in Frankfurt. Ist das Projekt in einem Jahr rechtlich in trockenen Tüchern, sind wir einen echten Schritt weiter – nicht nur für Wiesbaden, sondern für die Region.
Redaktion: Vielen Dank für das Gespräch.
Prof. Dr. Ute Knippenberger ist Stadtplanerin und Architektin mit Führungserfahrung in kommunaler Stadtplanung und Hochschullehre. Seit September 2025 ist sie Geschäftsführerin der Stadtentwicklungsgesellschaft Wiesbaden – der kommunalen Tochter, die als Entwicklungsagentur und Baudienstleister der Landeshauptstadt fungiert.
weitere Informationen
Werden Sie FondsForumMagazin-Leser!
Fachartikel, Informationen und Nachrichten der institutionellen Immobilienwirtschaft.







