Life Sciences Real Estate: Resilienz und Impact

13.03.2026

Autor

Martin Eberhardt FRICS

Martin Eberhardt FRICS

CEO und Gesellschafter

HELIX alpha

Blogbeitrag

Life Sciences Real Estate: Resilienz und Impact

In einem Umfeld aus ökonomischer Volatilität, geopolitischer Fragmentierung und wachsendem Transformationsdruck stehen institutionelle Investoren vor der Kernfrage, wie Kapital langfristig resilient, ertragsstark und zugleich wirkungsorientiert allokiert werden kann. Eine in Europa noch unterrepräsentierte, aber strategisch zunehmend relevante Assetklasse ist Life Sciences Real Estate (LSRE).

LSRE umfasst spezialisierte Immobilien für Biotechnologie, Pharma, Medizintechnik und angrenzende Innovationsfelder – von Labor- und Forschungsgebäuden über Produktions- und Logistikflächen bis zu hybriden Office-Lab-Konzepten in etablierten Wissenschaftsclustern. Die Assetklasse positioniert sich im Schnittpunkt zentraler Megatrends: demografischer Wandel, medizinischer Fortschritt, Digitalisierung und nachhaltige Infr strukturentwicklung. Die steigende Prävalenz chronischer Erkrankungen, personalisierte Medizin, digitale Gesundheitslösungen sowie das Wachstum einer globalen Mittelschicht führen zu strukturell wachsender, weitgehend nicht-zyklischer Nachfrage nach entsprechender Infrastruktur.

Während die USA und das Vereinigte Königreich bereits über ausgereifte LSRE-Märkte verfügen, befindet sich Europa in einer Phase beschleunigter Institutionalisierung. Life Sciences werden auf EU- und nationaler Ebene als strategisches Zukunftsfeld gefördert. Forschung, Produktion und translationale Infrastruktur erhalten politische und finanzielle Unterstützung – ein Umfeld, das institutionellem Kapital langfristige Planungssicherheit bietet. Es bestehen Weltmarktführer in hochattraktiven Forschungscluster wie Barcelona, Wien, Kopenhagen, Basel oder München.

Gleichzeitig ist der europäische LSRE- Markt noch fragmentiert. Begrenzte Vergleichstransaktionen, technische Spezialisierung und geringe Liquidität spiegeln sich in attraktiven Renditen wider. Diese Merkmale sind typisch für eine Assetklasse in der frühen Reifephase. Mit wachsender Markttransparenz und zunehmender Investorennachfrage ist perspektivisch eine Renditekompression denkbar – vergleichbar mit der Entwicklung von Studentenwohnen oder Rechenzentren. Frühzeitige Investoren können daher strukturelles Wertpotenzial sichern.

Ein wesentliches Merkmal von LSRE ist die hohe Standortbindung der Mieter. Mietvertragslaufzeiten von über zehn Jahren sind üblich, Laborausbauten sind kapitalintensiv und nutzerspezifisch. Unternehmen siedeln sich gezielt in Nähe zu Universitäten, Kliniken und Forschungsinstituten an, wo Wissenschaft, Kapital und Immobilienentwicklung zusammenwirken.

Aus Portfoliosicht bietet LSRE einen klaren Diversifikationseffekt. Life Sciences sind deutlich geringer mit traditionellen Industrien korreliert – Forschung, Arzneimittelentwicklung und Gesundheitsversorgung folgen primär demografischen und gesellschaftlichen Notwendigkeiten. An Gesundheit wird – selbst in wirtschaftlich angespannten Zeiten – in der Regel zuletzt gespart. In Core-Satellite-Strategien kann LSRE als renditestarker, wachstumsorientierter Satellitefungie ren – mit dem Potenzial, sich langfristig zu einem Core-Baustein zu entwickeln.

Die ESG-Dimension ist sowohl direkt als auch indirekt ausgeprägt. Direkt tragen energieeffiziente Neubauten, nachhaltige Baustandards und ressourcenschonende Infrastruktur zu Klimaschutz und nachhaltiger Stadtentwicklung bei.

Indirekt entsteht Wirkung durch die Mieter: Life-Science-Unternehmen entwickeln Therapien, Impfstoffe, Diagnostik und Medizintechnik und leisten damit Beiträge zu Gesundheit, Innovation und – etwa im Bereich der grünen Biotechnologie – zur Ernährungssicherheit. Ohne geeignete spezialisierte Immobilien wären diese Leistungen nicht möglich. Die Immobilie wird damit zum „Enabler“ gesellschaftlicher Wertschöpfung. LSRE sind Immobilien mit Impact.

In bestimmten Jurisdiktionen kann LSRE zudem infrastrukturellen Charakter haben, sofern ein Bezug zu kritischer Gesundheitsinfrastruktur besteht und langfristig stabile Cashflows generiert werden. Für regulierte Investoren kann dies strategische Vorteile im Hinblick auf Quoten, Diversifikation und Kapitalunterlegung bieten.

LSRE ist jedoch keine standardisierte Assetklasse. Technische Komplexität, begrenzte Marktdaten und spezifische Bonitätsrisiken erfordern aktives Management und spezialisierte Expertise. Erfolgreiche Strategien basieren auf interdisziplinären Teams und langfristiger Perspektive.

Life Sciences Real Estate verbindet strukturelle Wachstumstreiber, gesellschaftliche Relevanz und attraktive Renditeprofile. Für institutionelle Investoren ist LSRE daher weniger eine taktische Beimischung als vielmehr eine substanzielle, zukunftsorientierte Allokationsentscheidung.

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