Öffentliche Projekte, Privates Kapital – Aktuelle Beispiele in der Verkehrsinfrastruktur

14.02.2026

Autor

David Rouven Möcker

David Rouven Möcker

Partner Infrastructure & Capital Projects

Deloitte GmbH Wirtschaftsprüfungsgesellschaft

Blogbeitrag

Öffentliche Projekte, Privates Kapital – Aktuelle Beispiele in der Verkehrsinfrastruktur zeigen konkrete Chancen auf

Es sollte ein Ruck durch Deutschlands Infrastruktur gehen. Mit der Freigabe des Sondervermögens wurde im letzten Jahr das Budget für die dringend notwendige Modernisierung der Verkehrs-, Energie- und Digitalinfrastruktur bereitgestellt. Doch der Fortschritt stockt. Gerade wurden wichtige Autobahn- und Schienenprojekte ausgesetzt – weil das Geld fehlt. Woran liegt das?

Kommunen, Länder und weitere förderberechtigte Stellen kämpfen mit der Komplexität der Förderbedingungen. Verzögerungen auf politischer Ebene sowie regulatorische Hürden verstärken die Probleme. Um hier Fahrt aufzunehmen, und auch weil das Sondervermögen nur einen Teil der notwendigen Vorhaben abdeckt(1), muss mehr denn je zusätzliches, privates Kapital mobilisiert werden.

Die Idee ist nicht neu: Mit der Einführung von Öffentlich-Privaten-Partnerschaften (ÖPP) nach angelsächsischem Vorbild floss insbesondere in den 2000er Jahren privates Kapital in öffentliche Projekte. Solche Modelle sind für Investoren attraktiv, da Infrastrukturprojekte langfristige, stabile Einnahmen versprechen, ihre Wertentwicklung wenig mit Aktienmärkten korreliert und sie oft inflationssicher sind. Mechanismen wie indexierte Tarife oder Vertragsklauseln für Nutzerentgelte schützen vor Preissteigerungen. Politische Eingriffe und steigende Zinsen können zwar Risiken erhöhen und Renditen schmälern. Dennoch bieten gut strukturierte ÖPP-Projekte starke Planbarkeit und Sicherheit.

Hier lohnt sich ein Blick auf Deutschlands Verkehrsinfrastrukturvorhaben. Zehn Jahre ist es her, dass das Bundesministerium für Verkehr (BMV) eine „neue Generation von ÖPP-Projekten“ ausgerufen hat, bei denen gezielt privates Kapital mobilisiert und institutionelle Anleger mit eingebunden werden sollten.(2) Es ging um elf Autobahn- und Bundesstraßenabschnitte mit einer Gesamtlänge von 670 Kilometer und einem Investitionsvolumen von 15 Milliarden Euro. Vier Projekte wurden seitdem abgeschlossen, eines befindet sich im Bau (A3 bei Würzburg) und ein weiteres (A61 in Rheinland-Pfalz) geht nach fünfjähriger Planungszeit jetzt in die Vergabe.

Auch neben den Straßen wird gebaut: Gemeinsam mit der Autobahn GmbH plant der Bund ein flächendeckendes Netz von Schnellladepunkten für Elektrofahrzeuge zu errichten. Bis Ende 2026 sollen etwa 9.000 Ladepunkte an 900 regionalen Standorten und 200 Autobahnraststätten entstehen. Mit staatlicher Förderung und in Kooperation mit privaten Partnern sollen die „weißen Flecken“ auf der Ladelandkarte damit geschlossen werden.(3,4) 

Gleichzeitig wird die Dekarbonisierung des Straßengüterverkehrs vorangetrieben: Unter dem Motto „Power to the Road“ wurde der Startschuss für ein bundesweites Lkw-Schnellladenetz gegeben.(5) Bis 2030 sollen rund 350 Ladestandorte mit 4.200 Ladepunkten entstehen. Dafür stellt der Bund 1,6 Milliarden Euro zur Verfügung, ergänzt von Landesförderprogrammen. 

Parallel dazu investieren Unternehmen auch ohne staatliche Beteiligung in die deutsche Ladeinfrastruktur. Ein großer europäischer Energiekonzern will etwa eine halbe Milliarde Euro in den nächsten zwei Jahren investieren, zusammen mit sogenannten „Location Partnern“ wie Supermärkten, Parkhäusern oder Hotels, die entsprechende Flächen bereitstellen.

Diese Beispiele aus der Verkehrsinfrastruktur zeigen, dass privates Kapital bereits einen wichtigen Beitrag leistet. Doch um die vollständige Modernisierung der Infrastruktur zu erreichen, einschließlich Schienenwegen, Energienetzen, Solar- und Windparks, Batteriespeichern und Rechenzentren, ist noch deutlich mehr notwendig.

Um private Investitionen weiter zu mobilisieren, sollten drei zentrale Voraussetzungen erfüllt sein: Erstens müssen Regulierungen angepasst werden, um die Markteintrittshürden für private und institutionelle Investoren zu senken. Zweitens wird eine bessere Steuerung des Zusammenspiels öffentlicher und privater Investitionen benötigt, etwa durch den verstärkten Einsatz von ÖPP-Modellen. Und nicht zuletzt müssen die Risikoprofile der Investoren entsprechend der für die jeweilige Assetklasse angemessenen Renditen angepasst werden.

 

(1) Agora Verkehrswende und Dezernat Zukunft (2025): Eckpunkte für die Finanzierung eines zukunftsfähigen Verkehrssystems. Abschlussbericht mit Empfehlungen des Sachverständigenrats für die Finanzierung eines zukunftsfähigen Verkehrssystems. 
(2) BMV: „neue Generation von ÖPP-Projekten, https:// www.bmv.de/SharedDocs/DE/Artikel/StB/oepp-projek te-der-neuen-generation-liste.html, letzter Zugriff: 23.01.2026 
(3) BMV: Das Deutschlandnetz, www.bmv.de SharedDocs/DE/Artikel/G/deutschlandnetz.html, letzter Zugriff: 23.01.2026 
(4) Nationale Leitstelle Ladeinfrastruktur: Das Deutschlandnetz, nationale-leitstelle.de deutschlandnetz/, letzter Zugriff: 24.01.2026 
(5) Die Autobahn: Deutschlandnetz: Ausschreibung bundesweiter Autobahn-Lose für Schnellladeinfrastruk tur startet, www.autobahn.de/presse/ mitteilung/deutschlandnetz-ausschreibung-bundes weiter-autobahn-lose-fuer-schnellladeinfrastruk tur-startet, letzter Zugriff: 23.01.2026

weitere Informationen

Werden Sie FondsForumMagazin-Leser!

Fachartikel, Informationen und Nachrichten der institutionellen Immobilienwirtschaft.

FondsForumMagazin

Beitrag teilen

Soziale Netzwerke