Paneuropäische Investmentchancen im studentischen Wohnungsmarkt

19.11.2025

Autor

Nico Rheims

Nico Rheims

Managing Director Real Estate

Ardian Germany GmbH

Blogbeitrag

Paneuropäische Investmentchancen im studentischen Wohnungsmarkt

Der Markt für Purpose-Built Student Accommodation (PBSA) in Kontinentaleuropa wächst dynamisch. Institutionelle Investoren fokussieren sich zunehmend auf dieses Segment, das sich durch strukturelle Nachfrage, Resilienz und ESG-Kriterien auszeichnet. Insbesondere länderübergreifende Strategien sind aussichtsreich, erfordern aber auch spezifisches Know-how.

Deutliche Angebotslücke
Die Studierendenzahl in der EU und in UK ist in den letzten zehn Jahren um 15% auf 21,7 Mio. (2022/23) gestiegen und soll bis 2030/31 um weitere 10% wachsen – das entspricht rund zwei Millionen zusätzlichen Studierenden, die Wohnraum benötigen (JLL, European PBSA: Investing in the Future, 2024). Das Angebot an PBSA hält jedoch nicht Schritt: Aktuell fehlen europaweit rund drei Millionen PBSA-Betten, die Lücke wird sich in den nächsten fünf Jahren um weitere 200.000 Betten vergrößern. Die private PBSA-Kapazität von derzeit 0,8 Mio. Betten müsste sich demnach rund vervierfachen, um die Nachfrage zu decken. Daraus ergibt sich ein potenzielles Investitionsvolumen von rund 450 Mrd. Euro, das 34-fache des Rekord-Investmentvolumens von 2022 (JLL, 2024).

Rund 40% der ungedeckten Nachfrage (1,2 Mio. Betten) konzentrieren sich derzeit auf die 40 wichtigsten Universitätsstädte in Europa. Zwar befinden sich bereits 130.000 neue PBSA-Betten in der Planung, doch die Lücke wächst weiter, insbesondere durch den stetigen Anstieg internationaler Studierender.

Diversifikation durch paneuropäische Allokation
In den vergangenen Jahren sind Investitionen in europäische PBSA mit einer durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate von 27% gestiegen. Trotz des Zinsschocks blieb das PBSA-Segment stabil. Doch der Druck bleibt hoch: Laut JLL müssen selbst in etablierten Märkten wie Deutschland oder Frankreich die jährlichen Investitionen von derzeit etwa 0,5 Mrd. Euro auf etwa 7 Mrd. Euro steigen, um die Nachfrage zu decken. In anderen Ländern Europas (bspw. Italien) würde es beim aktuellen Tempo über 100 Jahre dauern, bis der Bedarf erfüllt wäre (JLL, 2024).

Eine länderübergreifende Investmentstrategie im PBSA-Bereich bietet die Möglichkeit, von unterschiedlichen demografischen und wirtschaftlichen Entwicklungen zu profitieren. Während in Deutschland und den Niederlanden stabile Verhältnisse und eine hohe Zahl Studierender die Nachfrage treiben, bieten Märkte wie Spanien, Portugal und Italien zusätzliches Wachstumspotenzial. In diesen Ländern zeigen steigende Studierendenzahlen einen deutlichen Bedarf an zusätzlichem Wohnraum. Die Diversifikation über verschiedene Länder federt zudem das Risiko von Marktschwankungen ab.

Marktspezifische Besonderheiten und Chancen
Deutschland und die Niederlande zeichnen sich durch hohe Studierendenzahlen, etablierte Universitätsstädte sowie eine stabile Nachfrage nach Immobilien im studentischen Wohnungsmarkt aus. Zwar stellen regulatorische Rahmenbedingungen und hohe Baukosten Herausforderungen dar, gleichzeitig eröffnen sie jedoch auch Raum für innovative Projektansätze.

In Frankreich konzentriert sich der Sektor stark auf wenige zentrale Universitätsstandorte. Parallel wächst der Bedarf an modernen Wohnformen, was durch staatliche Förderprogramme zusätzlich unterstützt wird.

Spanien, Portugal und Italien weisen einen deutlichen Nachholbedarf beim studentischen Wohnungsbau auf. Die Zahl der internationalen Studierenden steigt, begleitet von einer günstigen demografischen Entwicklung in den jeweiligen Ländern. Insbesondere in Italien sieht JLL ein großes Investitionspotenzial, da dieser Markt bislang kaum erschlossen ist.

Neben den Ballungszentren in Deutschland gelten Paris und Barcelona als die attraktivsten Investitionsstandorte, u.a. aufgrund des starken Wachstums, der internationalen Attraktivität und der hohen operativen Performance von PBSA (JLL, 2024).

Zudem gewinnen ESG-Kriterien in allen Zielmärkten an Bedeutung: Die Regulierung fordert energieeffiziente Gebäude und nachhaltige Materialien; Bewohner fragen zunehmend soziale Aspekte wie Community-Flächen nach. Die Umsetzung entsprechender Standards kann die Attraktivität der Objekte erhöhen und langfristig stabile Erträge sichern.

Resilienz und Performance im aktuellen Marktumfeld
PBSA hat sich als vergleichsweise resilient gegenüber makroökonomischen Schwankungen erwiesen. Hohe Belegungsquoten und stabile Mieteinnahmen sind in vielen Märkten zu beobachten. Die geringe Korrelation zu anderen Immobiliensegmenten kann zur Stabilisierung institutioneller Portfolios beitragen.

In Kontinentaleuropa wird weiteres Wachstum vor allem durch Forward-Investments und Neuentwicklungen getrieben. Die zunehmende Professionalisierung und das bessere Verständnis für lokale Anforderungen sind dabei wesentliche Erfolgsfaktoren.              

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