
Physik kennt keine Legislaturperioden
Autor
Werner Ottilinger

Blogbeitrag
Physik kennt keine Legislaturperioden
Die Koalition hat sich auf Eckpunkte für das neue Gebäudemodernisierungsgesetz (GMG) verständigt; es soll das umstrittene Gebäudeenergiegesetz ablösen. Die vor allem auf Privathaushalte bezogenen Änderungen haben auch gravierende Auswirkungen auf den Nichtwohngebäudesektor. Viele Fachleute prognostizieren schon jetzt, dass diese Maßnahmen nicht ausreichen werden. Daher sollten Eigentümer und Betreiber von Gewerbeimmobilien langfristiger denken und faktenorientiert handeln.
Die CDU hat eines ihrer zentralen Wahlkampfversprechen umgesetzt. Die „65-Prozent-Regel“ wird abgeschafft, an ihre Stelle treten steigende Beimischquoten bei Brennstoffen. Neue Gas- und sogar Ölheizungen sind wieder ohne Einschränkungen möglich. Grünes Methan und synthetische Brennstoffe sollen es nun richten – ab 2029-
Dass wir so die Emissionsziele der Europäischen Union nicht erreichen werden, ist für viele Experten längst klar. Der Ausstoß wird 2030 nicht wie geplant um zehn, sondern nur um zwei Millionen Tonnen Kohlendioxid fallen. Was hier als Technologieoffenheit gepriesen wird, ist wohl eher das Prinzip abwarten und weiterheizen wie bisher. Die Problemlösung war unpopulär – und wird deshalb in das nächste Jahrzehnt verlagert. Ab 2030 gilt dann, zumindest für alle Neubauten in der EU, die EPBD. Die Wärmeversorgung muss dann „vollständig aus erneuerbaren oder CO₂-armen Quellen stammen.“
Das Gebäudemodernisierungsgesetz, wie es nun heißt, hat erhebliche Auswirkungen auf Nichtwohngebäude, auch und gerade im Bestand. Die Grünquote bei Brennstoffen wird die Kosten weiter in die Höhe treiben. Denn Biomethan wird teuer importiert werden müssen. Und die synthetischen Brennstoffe werden kaum in ausreichender Menge lieferbar sein. Wir erinnern uns: Die Öko-Fuels sollen nebenbei auch die Luft- und Schifffahrt retten – und den Diesel-PKW.
Das reformierte GEG war also nur etwas mehr als zwei Jahre in Kraft. Dieses Beispiel zeigt, dass Gesetze und Normen allein keine tragfähige Planungsgrundlage sind, gerade in der langfristig agierenden Immobilienbranche. Denn die Physik der Erdatmosphäre dürfte sich wenig um die Mehrheitsverhältnisse im Deutschen Bundestag scheren. Schon heute verfehlt der Gebäudesektor regelmäßig alle Klimaziele. Das Problem wird uns in sehr absehbarer Zeit wieder auf die Füße fallen. Dann werden EU-Strafzahlungen für Grenzwertüberschreitungen fällig, oder ausgesprochen rigorose CO2-Sparmaßnahmen – oder, wahrscheinlich, beides.
Daten als Entscheidungsgrundlage
Wer langfristig Werte erhalten und steigern will, sollte sich also eher an Fakten und physikalischen Zusammenhängen orientieren. Dann wird schnell klar, dass man auf der Verbrauchsseite ansetzen muss, oder um es auf eine einfache Formel zu bringen: Die Energieeffizienz muss rauf, sonst geht der Gebäudewert runter.
Einen echten und langfristig tragfähigen Ausweg aus dem Dilemma bietet die Gebäudeautomation. Denn gerade hier gibt es bei sehr vielen Bestandsgebäuden noch reichlich Luft nach oben. Wer den mechanischen Heizkörperthermostat durch ein intelligentes und zeitgemäßes Regelsystem ersetzt, kann bis zu 20 Prozent Energie und damit CO2 einsparen – ganz ohne Biomethan, ganz ohne Öko-Fuel. Eine weitere gute Nachricht: In der Gebäudeautomation setzen engagierte Dienstleister weniger auf noch zu erfindende Erfindungen oder noch zu produzierende Brennstoffe, sondern auf hier und heute verfügbare, bewährte Technik.
Diese ermittelt mit zeitgemäßen Multisensoren zunächst den Istzustand. Sie messen präzise, kontinuierlich und in Echtzeit Temperatur, Luftqualität, Belegung, Stromverbrauch und Lichtintensität. Die Istwerte werden mit weiteren Quellen kombiniert, beispielsweise Raumbelegung oder Wettervorhersage. Daraus ermittelt die Automationsstation dann die Parameter für eine wirklich wirtschaftliche, weil bedarfsgerechte Steuerung von Heizung, Kühlung, Lüftung, Beleuchtung und Verschattung. Die Automationsstation kann sowohl im Keller stehen als auch in der Cloud bereitgestellt werden. Zeitgemäße Protokolle wie bspw. BACnet Secure Connect garantieren in jedem Fall einen sicheren automatisierten Informationsaustausch zwischen den Geräten. Ein weiterer Bonus: Der Gebäudenutzer kann via Smartphone-App die Raumparameter nach seinen Bedürfnissen einstellen.
Ein wichtiger Bewertungsmaßstab für Smart Buildings ist der Smart Readiness Indicator (SRI). Im Vorschlag für die Neufassung der europäischen Gebäudeeffizienzrichtlinie (EPBD) soll er für Nichtwohngebäude mit hohem Verbrauch bald verpflichtend werden.
Handlungsfähig und sicher
Doch selbst die innovativsten Technologien müssen im betrieblichen Alltag bedient werden. Entscheidend ist daher, dass Anbieter von Gebäudeautomation nicht nur Technik liefern, sondern auch langfristigen Support sicherstellen – von intuitiven Bedienoberflächen über Remote-Services bis hin zu fachkundiger Unterstützung vor Ort. Ein wichtiger Aspekt, bedenkt man, dass allein im Bereich der Gebäudesteuerung hierzulande bis zu 40.000 zusätzliche Mitarbeitende benötigt werden. Doch, wie schon eingangs erwähnt: Bei der Entscheidung für Sanierung und höhere Gebäudeeffizienz sollte man sich nicht allein an der Politik orientieren, sondern an den Naturgesetzen – und der Verantwortung für das eigene Unternehmen und für kommende Generationen.
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