
Digitalisierung auf Irrwegen
Autor
Frank Lösing

Frank Lösing
Geschäftsführer
DSK Digital GmbH
Blogbeitrag
Digitalisierung auf Irrwegen
Unternehmen der Immobilienwirtschaft genauso wie Kommunen, suchen häufig das passende Förderprogramm für Ihre Projekte und Vorhaben. Trotz Digitalisierung kein einfaches Unterfangen.
Wer schon einmal versucht hat, aus tausenden Förderprogrammen auf EU-, Bundes- und Landesebene die passende Unterstützung für ein Projekt zu finden, kennt das Problem: Es ist, als würde man ohne Karte durch einen dichten Dschungel irren. Zwischen Förderrichtlinien, häufig wechselnden Bedingungen und komplizierten Antragsverfahren verliert man schnell den Überblick.
Gerade für Kommunen aber auch die Wohnungswirtschaft sind Fördermittel längst ein essenzieller Bestandteil der Finanzierung von Wohnbauprojekten. Stark steigende Baukosten oder erhöhte Ausgaben für den Erwerb von Baugrundstücken entscheiden oft darüber, ob ein Vorhaben überhaupt realisiert werden kann. Und dies bei hohem Umsetzungsdruck im Hinblick auf den Wohnungsmangel in den Ballungsräumen.
Um nun passende Förderprogramme für die Projektumsetzung nutzen zu können, muss man zum einen Kenntnis von den passenden Förderprogrammen erlangen, zum anderen im Anschluss die Antragsunterlagen des ausgewählten Programmes (oder der Programme) zusammenstellen und bei den Fördergebern einreichen. Beide Schritte sind eigentlich prädestiniert für eine durchgängig digitale Umsetzung. Doch von der medienbruchfreien Fördermittelsuche über die Beantragung bis zum Schlussverwendungsnachweis sind wir in Deutschland noch sehr weit entfernt.
Sicher, die Zeiten, in denen in den Druckversionen von Staatsanzeigern oder anderen offiziellen Veröffentlichungsorganen nach passenden Förderungen gesucht werden muss, sind vorbei. Doch leider hat die Digitalisierung in diesem Themenfeld nicht die Vereinfachung gebracht, die möglich wäre. Schauen wir uns die aktuelle Situation einmal etwas genauer an.
Derzeit gibt es geschätzt zwischen 5.000 bis 6.000 Förderprogramme von EU, Bund, Ländern, Regionalverwaltungen (Landkreise, Städte, Gemeinden) und Stiftungen. Jedes Förderprogramm hat eigene Richtlinien, Förderbedingungen und Antragsunterlagen, die auf den Webseiten der Fördergeber online gestellt werden – und zwar bei der KfW, BAFA (Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle), den 16 Webseiten der Landesbanken, den über 100 kreisfreien Städten mit eigenen Förderprogrammen, um nur ein paar Beispiele zu nennen.
Bereits diese hohe Anzahl an Quellen lässt erahnen, dass die Suche nach den passenden Fördermitteln einem Marsch durch den Dschungel gleicht. Denn obwohl die Informationen zu den Förderprogrammen nahezu alle digital verfügbar sind, gibt es Stand heute keine Plattform der öffentlichen Hand, auf der alle Förderprogramme gelistet sind. Mit ca. 2.500 Einträgen kommt die Förderdatenbank des Bundes (www.foerderdatenbank.de) den Anforderungen noch am nächsten – aber auch hier „fehlen“ jede Menge potentielle Förderprogramme, wenn man sich im Vergleich dazu die gesamte Anzahl an Fördermöglichkeiten anschaut.
Abhilfe sollte hier die Umsetzung des Onlinezugangsgesetzes (OZG) schaffen, dass im August 2017 in Kraft getreten ist. Über 6.000 Verwaltungsleistungen wurden thematisch in 575 OZG-Leistungsbündel zusammengefasst, so auch das Projekt „Digitalisierung des Fördermittelwesens“. Von der redaktionellen Erfassung der Förderprogramme über die Bereitstellung auf einer Plattform, bis zur Beantragung und Bewirtschaftung der Fördermittel, sollten mit diesem Projekt die Voraussetzung für einen durchgängig digitalen Prozess geschaffen werden. Die eigentliche Umsetzung war bis zum Jahr 2022 geplant, doch bis heute wurde das Projekt nur rudimentär mit einem einheitlichen Redaktionstool umgesetzt, von einer flächendeckenden Nutzung durch Bund, Länder, Städte und Gemeinden ist keine Rede.
Wie also aktuell im Förderdschungel erfolgreich navigieren?
Ganz verloren ist der potentielle Förderempfänger nicht. Seitens der Privatwirtschaft werden neben Expertensystemen zur passgenauen Suche nach Fördermitteln auch die Unterstützung bei der Antragstellung und der Fördermittelbewirtschaftung angeboten. Und die aktuelle Entwicklung rund um KI bietet Förderempfängern zunehmend die Möglichkeit, passende Förderprogramme zu finden. Damit Fördermittel für die Projekte der Zukunft eingesetzt werden, und nicht ungenutzt bei den Fördergebern verbleiben.

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