
Studentischer Wohnungsmarkt im Fokus
Autor
Florian Gust

Florian Gust
Director Operational Capital Markets - PBSA & Micro-Living
Blogbeitrag
Studentischer Wohnungsmarkt im Fokus
Der studentische Wohnungsmarkt gewinnt in Deutschland als eigenständige Assetklasse zunehmend an Relevanz – und das aus gutem Grund. Zwar ist die Zahl der Studierenden seit dem Allzeithoch im Wintersemester 2020/21 leicht gesunken, doch mit über 2,87 Millionen immatrikulierten Studierenden im Wintersemester 2024/25 bleibt das Niveau hoch. Besonders bei internationalen Studierenden ist der Bildungsstandort Deutschland gefragt. Ihr Anteil an der Gesamtanzahl aller Studierenden erreichte im vergangenen Wintersemester einen Rekordwert und betrug 16 % (vgl. Abb. 1). Vor allem die fortschreitende Internationalisierung der Hochschulen mit einem starken Ausbau englischsprachiger Studiengänge hat zu dieser Entwicklung beigetragen.
Diese Entwicklung schafft auch für die Immobilienbranche verlässliche Rahmenbedingungen. Die strukturell hohe Nachfrage macht Studentisches Wohnen für Eigentümer, Betreiber und Investoren planbarer, insbesondere in Städten mit international ausgerichteten Hochschulen eröffnen sich attraktive Renditeperspektiven.
Allerdings bleibt insbesondere der freie Mietwohnungsmarkt für viele Studierende ein Nadelöhr. In den 30 größten Hochschulstädten sind die Angebotsmieten in den vergangenen zehn Jahren um durchschnittlich 52 % gestiegen, bei Einzimmerwohnungen sogar um 58 %. Gleichzeitig ist das Angebot der am Markt inserierten Wohnungen um rund ein Viertel geschrumpft. Die Folge: ein Verdrängungswettbewerb mit zahlungskräftigeren Zielgruppen – zulasten vieler Studierender, insbesondere internationa ler, denen lokale Netzwerke und Sprachkenntnisse fehlen.
Ein wichtiger Baustein bei der Bereitstellung von adäquatem Wohnraum für Studierende sind daher die Wohnheime der Studierendenwerke. Doch diese stoßen seit Jahren an ihre Grenzen. Während die Anzahl der Studierenden seit 2001 um eine Million zugenommen hat, sind im gleichen Zeitraum im Angebot der Studierendenwerke lediglich 13.300 Betten hinzugekommen. Derzeit beträgt die Versorgungsquote durch die Studierendenwerke in Deutschland lediglich 8,3 %. Im europäischen Vergleich hinkt Deutschland anderen Ländern deutlich hinterher. So liegt die Quote in anderen Ländern wie Großbritannien oder in Frankreich mit ähnlichen Angeboten bei 31 % bzw. 16 %.
Angesichts dieser Versorgungslücke hat der private Markt für Alternativen gesorgt. Mittlerweile gibt es in den größten Hochschulstädten rund 68.500 Betten in privaten Studierendenwohnanlagen – fünfmal so viele wie vor 15 Jahren. Bis 2027 sollen über 9.600 weitere hinzukommen. Neben Quantität bringt der Sektor auch Qualität: Hohe Standardisierung, digitale Prozesse und kompakte, möblierte Apartments treffen den Nerv der Zielgruppe. Die durchschnittliche Auslastung liegt bei rund 95 %, was die Relevanz des Angebots verdeutlicht. Für die Eigentümer und Investoren bedeutet dies vor allem stabile Mieterträge. Dabei beginnen vielerorts die All-In-Mieten für voll möblierte Einzelapartments mit eigenem Bad und eigener Küchenzeile bei 600 Euro und haben in Spitzenlagen teilweise die Marke von 1.000 Euro im Monat durchbrochen.
Trotz dynamischen Wachstums stößt auch der private Markt an Grenzen. Neue Ideen sind gefragt – etwa die Umnutzung leerstehender Büroflächen. In vielen Metropolen steigt der Büroleerstand, vor allem bei nicht ESG-konformen Bestandsimmobilien. Parallel dazu besteht eine hohe Nachfrage nach kleinteiligen Wohneinheiten. Laut Bulwiengesa könnten allein in den sieben größten Städten rund 150.000 Wohnungen durch Umnutzung entstehen.
Gerade für Studentisches Wohnen und Mikroapartments können ungenutzte Büroflächen interessante Möglichkeiten bieten: Die standardisierte Bauweise, die kleinflächige Raumstruktur und die häufig zentrale Lage prädestinieren viele Objekte für eine wohnwirtschaftliche Neupositionierung. Zwar sind solche Umnutzungen komplex und häufig mit einigen Herausforderungen verbunden, bieten aber Vorteile: höhere Erträge pro Quadratmeter, geringere Flächenbedarfe und oft bessere Fördermöglichkeiten. Zudem steigt im Zuge der ESG-getriebenen Marktkonsolidierung das Interesse an nachhaltigen Repositionierungen. Viele Investoren haben erkannt, dass durch Umnutzung nicht nur Renditepotenziale, sondern auch gesellschaftlicher Nutzen generiert werden kann.
Studentisches Wohnen hat sich zur gefragten Assetklasse entwickelt, getragen von stabiler Nachfrage, internationaler Dynamik und strukturellem Wohnraummangel. Während der öffentliche Sektor an Kapazitätsgrenzen stößt, etabliert sich die Privatwirtschaft als treibende Kraft – effizient, innovativ und zunehmend relevant für die Stadtentwicklung. Die Kombination aus wirtschaftlichem Potenzial und gesellschaftlichem Nutzen macht Studentisches Wohnen für Investoren, Städte und Studierende gleichermaßen zu einem Zukunftsthema mit echtem Mehrwert.
Weitere Informationen und Einblicke finden Sie im Savills Insights „Studentisches Wohnen in Deutschland“.

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