Weg vom Büroleerstand, hin zu mehr Lebensqualität

10/01/2025

Autor

Matthias Gerloff

Matthias Gerloff

Managing Partner und Head Fund Management & Investment Solutions

Sonar Real Estate GmbH

Blogbeitrag

Weg vom Büroleerstand, hin zu mehr Lebensqualität

Der Büroflächenmarkt befindet sich im Umbruch. New-Work-Konzepte, Leerstand in peripheren Lagen und veraltete Gebäudestrukturen treffen auf eine wachsende Wohnungsnot in urbanen Zentren. Die Umwandlung von Büro- in Wohnraum erscheint als logischer Schritt. Doch nicht jedes Objekt eignet sich: Raumtiefen, Belichtungsqualität, Schallschutz und Erschließung müssen stimmen. Hinzu kommen baurechtliche Hürden. Zudem lohnt sich die Konversion nur, wenn Lagequalität, Mietniveau, Umbaukosten und ESG-Anforderungen wirtschaftlich zusammen passen. Hierbei kann die Einbindung entsprechender Programme wie die Bundesförderung für effiziente Gebäude, kurz BEG-förderung, sinnvoll ein.

Klassische Banken agieren bei Transformationsprojekten oft zögerlich. Alternative Finanzierer wie Real Estate Debt Funds sowie internationale Value-Add- Investoren treten hier zunehmend in den Vordergrund. Sie handeln schneller, aber verlangen klare Exit-Logiken.

Ein Beispiel ist ein Projekt in Eschborn bei Frankfurt, bei dem derzeit im Auftrag eines institutionellen Anlegers zwei leerstehende Bürogebäude in rund 200 Wohneinheiten transformiert werden. Der Schlüssel zum Erfolg: frühe Kooperation mit Behörden, agile Scrum-Planung und ein Nutzungskonzept, das baulich wie regulatorisch tragfähig ist. Der Umgang mit komplexer Bausubstanz, die Einbindung von ESG-Faktoren und die enge Verzahnung von Bauplanung, rechtlicher Bewertung und Investoren ansprache zeigen exemplarisch, wie Konversion als Teil einer ganzheitlichen Entwicklungsstrategie funktionieren kann.

Gleichzeitig bietet Bestandstransformation ökologische Vorteile: Wer tragende Strukturen erhält, spart graue Energie.

In Eschborn etwa wird eine Sanierung nach KfW-55-Standard angestrebt, ein Ansatz, der ESG-konforme Investitionen mit ressourcenschonender Bauweise kombiniert. Damit werden ESG-Ziele nicht nur erfüllt, sondern aktiv in den Investment Case integriert. Für institutionelle Anleger bedeutet das: Nachhaltigkeit wird investierbar, bilanziell greifbar und in der ESG-Berichterstattung sichtbar.

Neubau, wenn sinnvoll – aber mit ESG im Blick
Trotz aller Potenziale bleibt der Neubau ein unverzichtbares Instrument zur Wohnraumschaffung, vor allem dort, wo geeignete Bestandsobjekte fehlen. Doch auch der Neubau wandelt sich: Modulare Holzbauweisen, serielle Fertigung und energetische Spitzenstandards wie KfW-40 prägen eine neue Generation von Projekten. Ein Beispiel dafür sind unter anderem geplante Wohnquartiere in Holzmodulbauweise. Die Botschaft dabei ist klar: Neubau und ESG sind keine Gegensätze, und Konversion ersetzt den Neubau nicht, sondern ergänzt ihn strategisch.

Beide Strategien folgen dabei einer ähnlichen Logik: kurze Realisierungszeiträume, hohe Energieeffizienz und die Einbindung in städtische Infrastrukturen. Gerade Holzmodulbau kann zur Antwort auf Wohnraummangel und Klimaziele gleichermaßen werden. Gleichzeitig erfordern sie, ebenso wie Umnutzungen, ein hohes Maß an Steuerungsfähigkeit – von der Finanzierung über die Genehmigung bis zur Kommunikation.

Rahmenbedingungen und in stitutionelle Perspektive
Auf kommunaler Ebene zeigt sich wachsende Offenheit für Konversionsprojekte, sofern diese planungssicher, dialogorientiert und städtebaulich integriert umgesetzt werden. Entwickler, die frühzeitig Behörden einbinden und realistische Nutzungsmodelle vorlegen, beschleunigen Verfahren und erhöhen die Akzeptanz. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an Dokumentation, Nachhaltigkeitsnachweise und CO₂ Bilanzierung, was eine hohe Projekt vorbereitung erfordert.

Für institutionelle Investoren wiederum bietet die Umnutzung die Möglichkeit, bestehende Liegenschaften ESG-konform neu zu positionieren. Wohnimmobilien mit stabiler Ertragsstruktur gelten als resilienter Portfolioanker. Wichtig bleiben dabei technische Kompetenz, ein belastbares Partnernetzwerk und eine klare Asset-Strategie, die von der Finanzierung bis zur Exit-Perspektive reicht.

Vor allem international agierende Investoren und Family Offices sehen in der aktuellen Marktlage Chancen: Die Kombination aus sinkenden Kaufpreisen, wachsender Flächenknappheit und regulatorischem Druck fördert die Attraktivität von Value-Add-Projekten, wenn diese mit einem professionellen Projektansatz hinterlegt sind.

Transformation als Differenzierungsstrategie
Die Konversion von Büro- in Wohnraum steht exemplarisch für den strategischen Wandel der Immobilienwirtschaft. Sie ist kein Allheilmittel, aber ein wirkungsvoller Hebel für Investoren, die bereit sind, regulatorische, technische und gesellschaftliche Komplexität zu meistern. Wer Flächen neu denkt und neben Der Renditeorientierung den Fokus auf urbane Lebensqualität richtet, wird die Benchmarks von morgen setzen: ökonomisch, ökologisch und sozial.

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