
Zukunftsfähige Wohnimmobilien müssen Familien stärker in den Fokus nehmen
Autor
Vanessa Lichter-Pacher

Blogbeitrag
Zukunftsfähige Wohnimmobilien müssen Familien stärker in den Fokus nehmen
Die Urbanisierung galt lange als Megatrend – doch inzwischen zeichnet sich eine Trendwende ab: Immer mehr Familien kehren den deutschen Großstädten den Rücken. So titelte bereits im März 2023 das Institut der Deutschen Wirtschaft (IW) in einem Kurzbericht: „Immer mehr Familien verlassen die Großstädte“. Dahinter steckt ein klarer Befund: Der städtische Wohnungsmarkt ist für Familien vielerorts schlicht zu angespannt. Die Mieten sind hoch, der Platz ist knapp, und familiengerechter Wohnraum ist Mangelware.
In vielen Städten wurde in den letzten Jahren „am Bedarf vorbei gebaut“. Während die Nachfrage nach familienfreundlichen Wohnungen mit mehreren Zimmern, großzügigen aber zugleich funktionalen Grundrissen, Grünflächen und einer guten Infrastruktur stetig wächst, konzentrierte sich ein Großteil des Neubaus auf kleinere Wohneinheiten. Der Grund: politische und ökonomische Fehlanreize.
Beispielsweise wird die KfW-Förderung nach wie vor pro Wohneinheit gewährt, unabhängig von deren Größe. Projektentwickler/Investoren waren daher häufig besser beraten, mehrere kleine Einheiten statt weniger große Familienwohnungen zu errichten. Gleichzeitig lassen sich bei kleinen Wohnungen höhere Quadratmeterpreise erzielen, was aus Renditesicht attraktiv erscheint, aber aus wohnungspolitischer Perspektive problematisch ist.
Die Entwicklung der Haushaltsstrukturen verstärkt das Problem zusätzlich. Die Zahl der Haushalte steigt, vor allem durch den Zuwachs an Ein-Personen-Haushalten. Die Wohnbedürfnisse von Familien, insbesondere mit zwei oder mehr Kindern, geraten dadurch immer mehr ins Hintertreffen. Wohnraum für Familien wird zur knappen Ressource.
Dabei darf nicht vergessen werden: Städte bestehen nicht nur aus Singles oder kinderlosen Paaren (DINKs – Double Income, No Kids). Familien tragen in besonderem Maße zu einem lebendigen, vielfältigen und generationenübergreifenden Stadtbild bei. Sie stärken Nachbarschaften, beleben Kitas, Schulen, Vereine und den Einzelhandel – und sind damit unverzichtbar für eine nachhaltige und ausgewogene Stadtentwicklung.
Um diesem Trend entgegenzuwirken, braucht es ein strategisches Umdenken in der Immobilienwirtschaft. Zukunftsfähige Wohnimmobilien für Familien sollten ganzheitlich geplant werden, mit Fokus auf langfristige Nutzung, Nachhaltigkeit und Lebensqualität.
Ein zentraler Hebel dafür liegt in integrierten Unternehmensmodellen: Immobilienunternehmen, die Fonds Management, Asset Management und Property Management unter einem Dach vereinen, können über die gesamte Wertschöpfungskette hinweg Qualität, Wirtschaftlichkeit und Nutzerbedürfnisse in Einklang bringen. Sie gewährleisten damit nicht nur die Interessen der Investoren, sondern stellen auch sicher, dass Wohnraum nachhaltig nutzbar und auf die Bedürfnisse der Zielgruppen – in diesem Fall Familien – zugeschnitten ist.
Besonders erfolgreich zeigt sich dieser Ansatz in sogenannten Develop-to-Hold- oder Build-to-Rent-Strategien. Hier steigen Investoren und Entwickler frühzeitig – idealerweise schon in der Planungsphase – in Projekte ein, mit dem klaren Ziel, die Immobilien langfristig im Bestand zu halten und zu vermieten.
Die Rückzugsbewegung der Familien aus den Städten ist ein deutliches Signal. Wenn Wohnimmobilien auch in Zukunft als zukunftsfähige, lebenswerte Anlageformen Bestand haben sollen, muss der Fokus wieder stärker auf Familien gelegt werden. Politische Rahmenbedingungen, wirtschaftliche Anreize und unternehmerische Strategien müssen Hand in Hand gehen, und ganz wichtig: auf die Wohnrealitäten der Menschen reagieren. Nur dann entsteht Wohnraum, der nicht nur gebaut, sondern auch gebraucht wird.
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