HealthCareDay

Konferenz Report

HealthCareDay 2026: Kapital kehrt zurück - aber selektiv

Pre-Event und Networking
Bereits am Vorabend traf sich ein großer Teil der Teilnehmenden zum Empfang mit Dinner im Restaurant Schönemann. Am Konferenztag ergänzten vorab digital verabredete Face-to-Face-Gespräche das Programm.

Konferenztag 3. September 2026

1. Marktentwicklungen: Benedikt Kiefer (Cushman & Wakefield) ordnete ein, dass das deutsche Healthcare-Transaktionsvolumen im ersten Halbjahr 2026 mit rund 1,82 Mrd. Euro das Gesamtjahr 2025 bereits um rund 50 Prozent übertraf, getragen allerdings von wenigen Großtransaktionen. Die Spitzenrenditen blieben gespreizt: 4,50 Prozent im Betreuten Wohnen, 4,75 Prozent bei MVZ, 5,10 Prozent bei Pflegeheimen und 5,75 Prozent in der stationären medizinischen Versorgung. Patrick Brinker (Hauck Aufhäuser Lampe) bezifferte den ambulanten Teilmarkt auf über 4.300 Objekte und mehr als 37 Mrd. Euro Marktvolumen. Lutz Rothstein (DKB) sprach zum ambulanten Gesundheitsmarkt. Christoph Jäger (MSCI) belegte, dass Healthcare über zehn Jahre die beste risikoadjustierte Rendite aller europäischen Sektoren lieferte, im Index aber erst 3,6 Prozent Gewicht hält.

2. Investmentvoraussetzungen: Timm Klöpper (immoTISS care) und Tim Schulte belegten an einem niedersächsischen Portfolio, was aktive Eigentümerschaft leistet: Verhandlungen über Pflegesätze und Investitionskosten brachten 3,1 Mio. Euro Mehrerlös und hoben die Betriebsmarge von 1,7 auf 7,8 Prozent, ohne eine einzige bauliche Maßnahme. Nikolai Schmidt (Swiss Life Asset Managers) zeigte, wie pan-europäische Strategien Renditespielraum und Diversifikation erweitern: Einkommensrenditen 2025 von 6,2 Prozent in Spanien, 6,1 Prozent in Großbritannien und 5,9 Prozent in Italien gegenüber 5,6 Prozent in Deutschland. Dr. Uwe Natter (ProHealth) hob hervor, dass Healthcare zu den wenigen Nutzungsarten zählt, die die Indexierung vollständig durchreichen; er favorisierte Betreutes Wohnen mit ambulantem Dienst.

3. Betrieb und Technologie: Berthold Becker (ORIZN) führte vor, wie KI zuerst die Nachfrage, dann Angebot und Betrieb und zuletzt die Immobilie erfasst. Seine These: Viele heute gebaute Ärztehäuser werden in zehn Jahren so nicht mehr gebraucht, während Diagnostikzentren als neue Gebäudekategorie entstehen. Anne Birgit Höh (Aareon) zeigte, dass Baujahr und pauschale Euro-je-Quadratmeter-Ansätze den Capex-Bedarf systematisch verfehlen: Wer Instandhaltung verschiebt, zahlt schon ab 3 Prozent Schadenswahrscheinlichkeit drauf. Denisa Bonanno (AIF Capital) stellte ein Kontrollsystem aus vier Säulen vor, das Kennzahlen zu Belegung, Personal und Prüfergebnissen vertraglich als Informationspflicht des Betreibers verankert.

4. Investorensicht: Liana Frank (TSC Real Estate) machte die Selektivität messbar: Aus 481 in 24 Monaten geprüften Deals wurden 17 Ankäufe, eine Quote von 3,5 Prozent. Bei rund 5 Prozent All-in-Finanzierung forderte sie über 5 Prozent Cash-Rendite im Core, über 7 Prozent im Core plus und über 15 Prozent IRR im Value-Add. Prof. Dr. Thomas Beyerle (HBC Biberach) verwies auf 1.143 Pflegeeinrichtungen, die seit Anfang 2023 schließen mussten oder Insolvenz beantragt haben, zugleich auf Healthcare-Zielquoten von 12 Prozent im deutschen und 15 Prozent im europäischen Musterportfolio. Im Abschlusspanel diskutierten Andreas Jantsch (Aedifica), Tom Rietz (Alloheim), Rolf Specht (Specht Gruppe) und Tobias Stieber (SozialBank) die Preisfindung: Verkäufe zum 18- bis 19-Fachen tun weh, Neubaupreise treffen die Käuferkalkulation nicht, die Refinanzierung der Investitionskosten weicht zwischen den Bundesländern erheblich ab.

Zusammenfassung und Ausblick

Die Konferenz beschrieb einen Markt, der wieder Volumen zeigt, dessen Ergebnis aber nicht mehr aus dem Marktbeta kommt. Über die Rendite entscheiden Betreiberqualität, Refinanzierungslogik und ein belastbarer Capex-Plan, nicht die Ankaufsrendite allein. Für die kommenden Jahre zeichneten sich drei Bewegungen ab: Diversifizierung über Ländergrenzen und Nutzungsarten hinweg, Fokus auf Bestand statt Neubau und wachsende Aufmerksamkeit für die technologische Anschlussfähigkeit der Gebäude.