Auf der Suche nach Sicherheit

17.12.2020

Autor

Olaf Janßen

Olaf Janßen

Leiter Immobilien-Research

Union Investment

Die Corona-Krise führt zu deutlichen Veränderungen in den Anlagestrategien institutioneller Investoren

Seit Herbst ist die Welt fest im Griff der zweiten Welle der Corona-Pandemie. Die Infektionszahlen sind erneut stark gestiegen. Eine verlässliche Prognose über die Auswirkungen ist nach aktuellem Kenntnisstand nicht möglich. Fest steht: Bereits der erste Schub hat sich auf den Immobilienmärkten, bei Unternehmen und Investoren deutlich bemerkbar gemacht. Alle sind auf der Suche nach Sicherheit. So hat die Corona-Krise unter anderem zu einem drastischen Wechsel in der Anlagestrategie institutioneller Immobilieninvestoren geführt, wie die Investmentklima-Studie von Union Investment zeigt, für die das Marktforschungsinstitut Ipsos im Sommer dieses Jahres insgesamt 150 Immobilienunternehmen und institutionelle Immobilieninvestoren in Deutschland, Frankreich und Großbritannien befragt hat. „Weniger Risiko, geringere Rendite“ ist das Motto der Stunde: 58 Prozent der befragten Profianleger setzen derzeit auf diese Strategie. Vor Ausbruch der Pandemie waren es nur 35 Prozent. Besonders ausgeprägt ist dieser Wechsel in Großbritannien: Für 79 Prozent der Befragten ist Sicherheit das Hauptanlagemotiv. Vor der Pandemie waren es 50 Prozent. Von einer grundsätzlichen Zurückhaltung kann insgesamt keine Rede sein. In dieser Phase vollständig auf Immobilien-Investments zu verzichten, ist nur für magere fünf Prozent der befragten europäischen Investoren eine Option.

Investmentstil, Angaben in Prozent der Befragten

Deutlicher Wechsel der Investmentstrategie

Kapitalzuflüsse nach der Corona-Krise, Angaben in Prozent der Befragten

Logistik und Health Care sind gefragt

Die Asset-Klassen Health Care und Logistik sind gefragt

Institutionelle Investoren suchen in der Krise nach Stabilität. Das zeigen auch die folgenden Ergebnisse: 49 Prozent der Befragten planen aufgrund der Viruswelle zunehmend Core-Immobilien zu kaufen. 42 Prozent kündigen an, vermehrt im eigenen Land zu investieren und 41 Prozent der Umfrage-Teilnehmer wollen verstärkt in andere Nutzungsarten investieren. Ganz oben auf der Einkaufsliste europäischer Investoren stehen in der aktuellen Marktphase die Asset-Klassen Health Care und Logistik. Je 65 Prozent der Befragten erwarten, dass verstärkt Kapital in diese Nutzungsarten gelenkt wird. Das ist nicht weiter erstaunlich, denn beide Nutzungsarten sind wenig krisenanfällig und tragen dazu bei, den Cashflow in einem Portfolio zu stabilisie-ren. Aber auch die Anlageklasse Wohnen bleibt attraktiv: 55 Prozent der Umfrage-Teilnehmer rechnen hier mit steigen-den Investitionsvolumen.

Deutschlands Immobilienmarkt erholt sich am schnellsten

Wenn es um die Frage geht, welcher Immobilienmarkt sich grundsätzlich am schnellsten von der Corona-Pandemie erholt, steht Deutschland klar an der Spitze: Satte 57 Prozent der europäischen Immobilien-Investoren rechnen damit. Vor allem der Berliner und Frankfurter Markt punkten bei den Befragten: 42 Prozent trauen Deutschlands Hauptstadt eine schnelle Erholung zu, 38 Prozent gaben Frankfurt an. Deutschland profitiert von seiner wirtschaftlichen Stärke und dem bislang guten Krisenmanagement der Regierung. Berlin und Frankfurt haben, wie auch die anderen deutschen Standorte, eine überschaubare Büroflächen-Pipeline und damit gute Chancen, die Krise schnell hinter sich zu lassen. Aber auch den Immobilienmärkten von Paris (30 Prozent der Befragten), London (29 Prozent) und Stockholm (23 Prozent) werden gute Erholungschancen zugeschrieben. Länger dürften laut Studie die Märkte in Mailand (55 Prozent der Befragten) und Madrid (47 Prozent) mit den Folgen der Pandemie zu kämpfen haben.

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