Ausblick 2021

31.12.2020

Interviewpartnerin

Susanne Eickermann-Riepe FRICS

Susanne Eickermann-Riepe FRICS

Vorstandsvorsitzende

RICS Deutschland

Susanne Eickermann-Riepe ist Vorstandsvorsitzende der RICS und Vorstandsvorsitzende des Instituts für Corporate Governance in der Immobilienwirtschaft. Sie ist langjährig in der Immobilienwirtschaft tätig, davon 18 Jahre als Partnerin bei PwC, Head of Real Estate in Deutschland und Mitglied in verschiedenen Leadership Teams auf globaler und europäischer Ebene. Seit Mitte 2020 ist sie als Senior Advisor tätig. (Bild: PWC)

Blogbeitrag

Sie haben den RICS-Vorsitz in turbulenten Zeiten übernommen. Wie haben Sie die ersten Monate erlebt?

Es ist eine sehr ereignisreiche Zeit und viele Themen treiben die Immobilienbranche um. Der Austausch mit unserem weltweiten Netzwerk mit über 130.000 RICS-Mitgliedern hat hohe Priorität. Wir haben daher komplett auf digital umgestellt und hatten in den letzten Monaten viele Regionalkonferenzen.

Worin sehen Sie den Schwerpunkt Ihrer Arbeit für die RICS? Haben Sie einen besonderen Fokus?

Unser Anspruch ist, Vertrauen in unsere Profession zu schaffen. Gebaute Umwelt hat einen großen Einfluss auf die Megatrends Nachhaltigkeit, Digitalisierung und Urbanisierung. Wir wollen die anstehende Veränderung positiv unterstützen.

Wie groß ist die Bedeutung von ESG für die Immobilienbranche?

Immobilien sind für rund 30 Prozent des CO2-Ausstosses verantwortlich und für ca. 40 Prozent des Energiebedarfs. Für die Klimaneutralität bis 2050 sind innovative Lösungen gefordert, nicht nur beim Neubau, auch im Bestand. Aber nicht nur das E in ESG, auch S und G werden wichtig. Das wird die Branche deutlich verändern.

Wofür stehen die RICS in einer sich immer schneller drehenden Immobilienwelt?

Wir verstehen uns als globale Berufsorganisation, die eine professionelle Berufsausübung und Berufsethik verfolgt. Das RICS Red Book als Standard für die internationale Immobilienbewertung ist bekannt. Aber wir unterstützen auch die EU bei der Umsetzung des Green Deals, sind Mitglied der Technical Expert Group für die Taxonomie und haben an der Offenlegungsverordnung mitgewirkt. Im Fokus steht derzeit die geplante „EU Renovation Wave“ und die Standardsetzung beim Reporting.

Was sind aus Ihrer Sicht die drei wichtigsten Trends für institutionelle Immobilieninvestoren?

Die Neuausrichtung der Investmententscheidungen auf Nachhaltigkeit treibt alle um. Dabei ist nicht nur der ökologische Aspekt wichtig, auch der soziale Impact wird nachgefragt. Die damit verbundenen regulatorischen Änderungen bis hin zum Reporting und Vertrieb sind nicht zu unterschätzen. Das geht nur mit Digitalisierung, Harmonisierung der Datenstandards und Transparenz. Da hat die Branche noch einiges zu tun.

Das neue Jahr steht vor der Tür. Was erwartet die Immobilienmärkte in Deutschland?

In unserem Q3-Global Commercial Property Monitor ist zu erkennen, dass sich die Investoren intensiv mit dem Thema ESG beschäftigen, aber ihre Investmententscheidungen eher an traditionellen Finanzkennzahlen ausrichten. Dabei fällt die Investoren- und Mieterstimmung in Deutschland unterschiedlich aus. Die einen investieren wieder, die anderen mieten noch nicht. Gerade in den Bereichen Office, Hotel und Retail sind strukturelle Diskussionen angestoßen, während der Wohnimmobilienmarkt weiterhin boomt. Deutschland wird international immer noch als sicherer, aber auch teurer Hafen eingeschätzt.

Was wird sich an den Immobilienmärkten 2021 tun?

Die unsichere wirtschaftliche Entwicklung und die volatile Situation der Infektionen werden uns wohl weiter begleiten. Gleichzeitig ist viel Kapital verfügbar. Die Positionierung von Nord-Amerika in Bezug auf Welthandel, Weltgesundheit und Weltklima wird eine Rolle spielen, aber im Vergleich sollten wir Asien im Blick behalten, denn die Erholung tritt wohl schneller ein und der Umgang mit Pandemien ist geübter. Konsequenzen für die Immobilienwirtschaft werden erwartet, vermutlich aber verzögert ab 2022.

Welche Vorsätze sollte sich die Immobilienbranche 2021 vornehmen?

An erster Stelle sollte die intensive Auseinandersetzung mit Nachhaltigkeitsanforderungen stehen. Auswirkungen auf bestehende Gebäude, Portfolien, Fonds und zukünftige Investitionen sollten zügig erkannt werden. Geschäftsmodelle, Prozesse und Entscheidungskriterien brauchen ein Update. Das Ziel der EU ist klar, die Kapitalströme sollen zur Erreichung der Nachhaltigkeitsziele umgelenkt werden, die Anpassung ist alternativlos.