Neue Personal-Herausforderungen

01.12.2022

Autor

Michael Harter

Michael Harter

Geschäftsführender Gesellschafter

Westwind Real Estate Executive Search GmbH

Blogbeitrag

Neue Personal-Herausforderungen für die Immobilienwirtschaft

Die Corona-Pandemie hat den Arbeitsmarkt nach­haltig verändert – KandidatInnen müssen von Job­wechseln stärker überzeugt werden und warten aktuelle Entwicklungen ab. Davon unbeeindruckt boomte die Immobilienwirtschaft durch die Corona-­Krise hindurch. Doch mit dem Jahr 2022 kamen weitere Krisen hinzu, die auch die bis dato resi­liente Immobilienwirtschaft nicht verschonten.

Energie- und Materialpreise stiegen in neue Höhen und seit Jahresbeginn wuchs die Inflation auf bis zu 7,9 Prozent an, was die EZB dazu veranlasste den Leitzins anzuheben. Die neue Zinsentwicklung wirkt sich dabei nicht nur auf die Baukosten aus, sondern könnte zukünftig auch die gesamtwirtschaftliche Nachfrage negativ beeinflussen. All diese Faktoren sorgen für Unsicherheit in der Branche, was sich auch auf dem Personalmarkt widerspiegelt. Hochspezialisierte Positionen im Unternehmen werden immer wichtiger und auch ArbeitnehmerInnen achten beim Jobwechsel vermehrt auf andere Aspekte als zuvor.

Waren in den letzten Jahren oft weiche Faktoren entscheidend beim Jobwechsel, betrachten KandidatInnen heute sehr genau die Finanzierungslage des potenziellen Arbeitgebers. Start-Ups, die vor der Pandemie zu beliebten Kandidatenzielen zählten, sowie risikoaffinere Akteure haben in dieser Hinsicht gegenüber etablierten Unternehmen an Attraktivität verloren. Hinzu kommt, dass ArbeitnehmerInnen, die derzeit verstärkt auf Sicherheit bedacht sind und die in einem gut geführten Unternehmen angestellt sind, spürbar seltener Wechselwünsche hegen. Das macht sich auch im Arbeitsalltag von Personaldienstleistern bemerkbar. So ist der Anspracheaufwand deutlich gestiegen und für die gleiche Anzahl an Platzierungen müssen insgesamt mehr KandidatInnen kontaktiert und mit den KandidatInnen wesentlich mehr Gespräche und Interviews geführt werden. Dennoch brauchen viele Unternehmen weiterhin qualifizierte Angestellte. Dass sich daraus ein Problem ergibt, zeigt ein Blick auf aktuelle Zahlen: So sehen laut HR Monitor 2022 der EBZ Business School schon jetzt rund 55 Prozent der Unternehmen in der Immobilien- und Wohnungswirtschaft den zunehmenden Fachkräftemangel als Investitionshemmnis. Außerdem gehen aktuelle Hochrechnungen davon aus, dass der prozentuale Anteil der potenziell erwerbstätigen Bevölkerung, aufgrund der nahenden Verrentungswelle der Baby-Boomer-Generation, von 62 auf bis zu 52 Prozent im Jahr 2060 zurückgehen wird. Es wird zukünftig also eher schwerer als leichter, qualifizierte ArbeitnehmerInnen zu finden. Personalabteilungen in ganz Deutschland wissen schon lange: Eine klassische Stellenanzeige schalten und hoffen, dass sich InteressentInnen von allein melden, reicht längst nicht mehr aus. Der Markt hat sich gedreht: Unternehmen müssen sich heute bei den Angestellten bewerben und nicht mehr umgekehrt. Das Zauberwort heißt: Employer Branding. Unternehmen stellen sich als attraktive Arbeitgeber dar und zeigen den potenziellen Angestellten, wieso genau sie den richtigen Arbeitsplatz bieten. Dabei sollte nicht nur auf klassische Benefits wie Gehalt und Aufstiegschancen geachtet werden – auch wenn diese noch immer große Pull-Faktoren darstellen. ArbeitnehmerInnen sind sich ihrer Position auf dem Arbeitsmarkt sehr bewusst und nutzen diese zu ihrem Vorteil. So gewinnen Fragen nach dem Sinn der Arbeit, der Teamchemie und der Work-Life-Balance bei der Wahl des Arbeitgebers an Bedeutung. Genau hier müssen suchende Unternehmen ansetzen.

Möglichkeiten, die Attraktivität des eigenen Unternehmens zu steigern, gibt es viele: Bessere Karrierechancen, erweiterte individuelle Handlungsmöglichkeiten oder der Abbau von unnötigen Hierarchiestrukturen, können Fachkräfte anlocken. Wenn möglich, sollten Homeoffice oder Formen des hybriden Arbeitens angeboten werden. Branchenumfragen haben außerdem ergeben, dass sich Unternehmen durch Aus-, Weiter- und Fortbildungen für Führungs- und Fachkräfte attraktiver machen können. Diese Maßnahmen sind jedoch oft sehr kosten- und zeitintensiv und daher nicht für jedes Unternehmen realisierbar. Auch hochspezialisierte Unternehmensbereiche, sind schwer durch interne Maßnahmen auszufüllen. Hier lohnt es sich, die Hilfe von professionellen Personalberatern in Anspruch zu nehmen. Diese bieten den großen Vorteil, dass sie neben einem langjährig aufgebauten Netzwerk, den richtigen Suchmethoden und einem aktuellen Marktüberblick, auch über gut geführte Datenbanken mit potenziellen KandidatInnen verfügen. Zudem werden vor allem die Unternehmen auf dem Arbeitsmarkt die Nase vorn haben, die es schaffen sich als attraktiver Arbeitgeber zu positionieren. Das bringt nicht nur Vorteile im War-for-Talents, sondern ist auch eine hervorragende Grundlage, um die eigenen Fachkräfte längerfristig ans Unternehmen zu binden.

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