Übernachten als zweites Zuhause

25.02.2021

Autor

Anett Gregorius

Anett Gregorius

Gründerin und Inhaberin

Apartmentservice

Blogbeitrag

Auch nach Corona gehört die temporäre Wohnform Serviced Apartments weiter zu den Zukunftsmärkten im Immobiliensektor. Das Segment zeigte sich krisenresistenter als die klassische Hotellerie und wird bis Ende 2022 in Deutschland um weitere 50 % wachsen. Die neuen Lebens- und Arbeitswelten bleiben treibende Motoren.

„The market is on fire“, hatte Ende 2019 STR noch auf der Fachtagung SO!APART verkündet, als es um die Performance der globalen Serviced-Apartment-Branche ging. Die Kennzahlen des Segments schnitten weltweit besser ab als die der klassischen Hotellerie. Auch der neue „Marktreport Serviced Apartments 2020“ von Apartmentservice konstatiert für 2019 eine durchschnittliche Auslastung von 77 % und eine stabile ADR (Average Daily Rate) von 89 Euro, die von günstigeren Preisen bei längeren Aufenthalten gekennzeichnet ist. 85 % der Betreiber schätzten noch Anfang 2020 die Entwicklung des Gesamtmarkts als positiv oder sehr positiv ein, 77 % in gleicher Weise auch die Entwicklung am eigenen Standort. Und einmal mehr bestätigten die Zahlen den Status des Segments als Rising Star der Immobilienwelt, zu dem sich Serviced Apartments in den letzten 20 Jahren entwickelt hatten.

Weniger volatil durch die Krise

Der Corona-Ausbruch samt globalem Herunterfahren der Reise- und Wirtschaftsaktivitäten sorgte auch im Segment für große Verluste. Doch relativ schnell zeigte sich, dass diese nicht so stark wie in der klassischen Hotellerie sind. Vor allem im Longstay-Bereich sank die Auslastung später und weniger deutlich auf 70 %, bis 40 % bei Serviced Apartmenthäusern bzw. 20 % bei Aparthotels. Drei Viertel der Häuser blieben weiter geöffnet.

Etliche, auch neue Gäste hatten ihr Apartment als sicheres Zuhause auf Zeit genutzt, darunter viele gestrandete Reisende, Mitarbeiter systemrelevanter Betriebe, umgebuchte Gäste oder jene, die das Homeoffice ins Apartment verlagert haben – ein Angebot, dass auch künftig wichtiger werden könnte. Die Gäste setzten auf die USPs, mit denen das Segment großgeworden ist – vor allem auf die Wohnausstattung mit Küche zu einem geringeren Preis als im Hotel, flexible Buchungs- und Serviceoptionen, zentrale Lagen und digitale Angebote. Die Betreiber wiederum senkten die Mindestaufenthaltsdauer, entwickelten erweiterte Hygienekonzepte und profitierten von den geringeren Kosten als in der Hotellerie – durch weniger Personal und kaum bis keine Gastronomie-, Tagungs- und Wellnessflächen.

Wir gehen davon aus, dass das Serviced-Apartment- Segment ab 2022 wieder an die Performance-Zahlen des Jahres 2019 anknüpfen kann – dies vor allem abhängig von der Erholung des Geschäftsreisemarktes. Denn Business Traveller stellen zu 69 % weiter die Hauptklientel, hinzu kommen immer mehr Young Professionals, Studierende sowie Freizeitreisende. Das Angebot wird
bis dahin ungebremst steigen. Zählt der deutsche Markt aktuell 33.900 Einheiten in 631 Häusern mit mindestens 15 Einheiten, so kann bis Ende 2022 von einem sicheren Wachstum um 50 % auf über 50.300 Einheiten ausgegangen werden, so das Ergebnis des Marktreports Serviced Apartments 2020. Erst danach wird der Markt langsamer wachsen und die 100.000-Einheiten-Marke nicht, wie ursprünglich prognostiziert, im Jahr 2026, sondern 2030 erreicht werden.

Nachhaltiges Weiterwachsen

Das Segment fliegt also weiter, wenn auch nicht mehr so hoch. Begleitet wird dies von ungewohnten Konsolidierungen, die sich mit dem Angebotszuwachs schon vor Corona angedeutet hatten. Gerade große, etablierte Serviced-Apartment-Anbieter könnten durch Übernahmen und Umbrandings schneller wachsen. Die Living Hotels, Adina Hotels und Aparthotels Adagio/Access (Accor) zählen aktuell zu den Betreibern mit den meisten Häusern und Einheiten in Deutschland. Stark wachsen will in den nächsten Monaten Adina, genauso werden Adapt Apartments, ipartment und Smartments Business (GBI) zulegen und damit besonders auch Serviced Apartmenthäuser mit Longstay-Konzepten. Ergänzend zu jungen Brands wie Joyn Serviced Living oder Stayery feiern demnächst auch „Rioca by i Live“ und „Stay Kooook“ (SV Hotel) Markenpremiere. Hinzu kommt die weitere Präsenz von internationalen Playern wie Staycity Aparthotels oder The Student Hotels. Am Flughafen München entsteht im neuen Innovationszentrum LabCampus auch das erste europaweite Hyde Living, eine sbe-Marke, an der Accor Anteile hält.

Nach Corona hat die Qualität der Betreiber bei Investoren und Projektentwicklern enorm an Bedeutung gewonnen. Anbieter, die Modelle schnell kopieren, werden es schwer haben, wirklich Fuß zu fassen. Denn die „durchgeschüttelten“ Mega-Trends Flexibilisierung, Digitalisierung, Mobilität sowie Nachhaltigkeit und Sicherheit werden das Zukunftssegment Serviced Apartments weiter schärfen. „The market stays on fire“ – wenn auch unter neuen, herausfordernden Bedingungen.