ESG Standards – ein digitales Deja Vu

11.02.2021

Autor

Björn C. Rieger

Björn C. Rieger

Managing Partner

HEICO Property

Blogbeitrag

Schon in der Vergangenheit habe ich von meiner kritischen Betrachtung zu den digitalen Anforderungen im Reporting zwischen Immobilienbetreiber, Asset Management und Investor berichtet. Mein damaliges Fazit auf Grund der gemachten Erfahrungen war:

„Solange sich die Unternehmen in der Prozesskette zwischen dem Property Manager und dem Investor nicht auf eine einheitliche neue Datenstruktur einigen, wird es sehr wahrscheinlich ein optimales Reporting trotz des digitalen Zeitalters nicht geben. Daher bleibt hier abzuwarten, auf welche grundsätzliche Datenplattform sich Property Manager und Asset Manager sowie Investoren in Zukunft verständigen werden.“

Ein Thema, dass momentan auch in aller Munde ist, bringt mich nun leider wieder zu einem ähnlichen Fazit: ESG! Getrieben durch die Taxonomie, die gesetzlichen und gesellschaftlichen Vorgaben, beschäftigt sich die Branche richtigerweise seit einiger Zeit sehr intensiv mit den Themen ESG.

Momentan gewinnt man allerdings verstärkt den Eindruck, dass die Buchstaben „S“ und „G“ von der Branche weitestgehend als eine Art „Sauberkeitsfaktoren“ gesehen werden. Diese werden dann oft, an Hand von kurzen und individuell gewichteten Kriterienkatalogen schnell, mehr oder weniger, abgearbeitet. Beim Buchstaben „E“ ist es dann wohl nicht ganz so einfach, denn: Die von der EU Kommission vorgegebenen Ziele für den Buchstaben „E“ sind die Erstellung von sogenannten nichtfinanziellen Erklärungen über die Verwirklichung von Umweltzielen. Unter anderem zu folgenden Themen:

  • Klimaschutz
  • Anpassung an den Klimawandel
  • Nachhaltige Nutzung und Schutz von Wasser- und Meeresressourcen
  • Übergang zu einer Kreislaufwirtschaft
  • Vermeidung und Verminderung der Umweltverschmutzung
  • Schutz und Wiederherstellung der Biodiversität und der Ökosysteme

Die Themen sind demnach definiert! Die Art und Weise, wie das Erreichen eines oder mehrerer dieser Ziele nachzuweisen ist, fehlt allerdings. Alleine schon auf Grund des Fehlens von entsprechenden normativen Vorgaben, die eben noch weitestgehend unklar sind, ist das Abarbeiten und Umsetzen dieser Themen für alle Unternehmen extrem schwierig. Diese, sogenannten technischen Bewertungskriterien, werden derzeit noch von der EU Kommission erarbeitet und sollen bis Ende 2020, bzw. Ende 2021 vorliegen.

Nichtsdestotrotz ist die Branche bereits aktiv geworden. Neue Unternehmenspositionen wie „Head of Sustainability“, „Nachhaltigkeitsbeauftragte“, etc. werden geschaffen, budgetiert und etabliert. Eine erhebliche Anzahl von Veranstaltungen und Vorträgen zum Thema ESG finden statt und diese sind meist sehr gut besucht. In den einschlägigen Medien wird regelmäßig berichtet, wer gerade mit wem einen neuen Nachhaltigkeitsstandard geschaffen hat, der ideal zum Nachweis der Erreichung von Klima- und Umweltzielen geeignet sein wird und entsprechende Scorings bereithält. Der Wust von nationalen und internationalen Zertifizierungssystemen, Plattformen und Berichtsstandards wird gefühlt immer größer und unübersichtlicher.

In Anbetracht dieser unklaren Situation über künftige Reportingstandards für Umweltkriterien wie z.B.: Verbrauchswerte, Abfallmengen, energetische Gebäudezustände, durchgeführte Maßnahmen, etc. habe ich als primär zuständiger Datenlieferant - und als dieser ist der Property- und Facility Manager anzusehen - eine Art digitales Deja Vu.

Schon jetzt zeichnet sich leider ein klarer Trend ab: Neben den unzähligen rein wirtschaftlichen und informativ gearteten Datenreports, werden auch für die Nachhaltigkeitsdaten eine Unzahl von unterschiedlichen Reportingstandards seitens der Investment-, bzw. Asset Management Gesellschaften auf die Branche zukommen.

Diese Aussicht hinterlässt die Property- und Facility Manager naturgemäß in einer eher misslichen Lage. Als innovativer Marktteilnehmer will man sich selbstverständlich proaktiv aufstellen, damit die einschlägigen Informationen mit möglichst geringem späterem Aufwand und weitestgehend automatisiert, bereitgestellt werden können. Allerdings sind hierbei schon die zerstörten Markt- Margen ein Problem, um einen möglichst schlanken, effizienten und ganz klar digitalen Prozess einzurichten. Doch wie soll man die gewünschten Daten nun vorhalten? Welche Daten sollen konkret vorgehalten werden? Wie sollen diese aufbereitet werden? Welche Plattformen sollen befüllt werden? Und natürlich auch: Wer zahlt das?

Auch die vielfach gepriesenen Vorzüge von Smart Metering sind da eher nicht hilfreich, denn erstens wird die digitalisierte Erhebung von Verbrauchswerten noch einige Zeit dauern und zweitens müssen auch diese Daten in einem weiteren System verarbeitet werden, bevor man sie an Asset Management / Investor oder gar behördliche Stellen weiterleiten kann.

Solange diese Fragen nicht geklärt werden, ist auch bei dieser Art von Reporting mit einer uneinheitlichen Systemlandschaft, mit erheblichem manuell-digitalem Aufwand, viel Excel und Dateninkonsistenzen zu rechnen. Eigentlich schade, oder?