Die neuen Anforderungen an Hotels

15.07.2022

Autor

Tina Froböse 

Tina Froböse

Managing Partner

Select Hotel Advisory Services

Blogbeitrag

Die neuen Anforderungen an Hotels

Die beispiellosen Auswirkungen der Covid19-Pandemie scheinen überstanden: Seit April klettern die Auslastungszahlen wieder steil nach oben. Fast vergessen scheinen die Zeiten staatlicher Zuschüsse, Mietstundungen und Kurzarbeit. Massive Nachholeffekte im Tourismus, aber auch im Konferenzsegment beflügeln die Hotellerie. Nicht zuletzt auch durch massive Preissteigerungen übertreffen viele Hotels sogar die Zahlen aus dem Vorkrisenniveau. Es ist genau diese Resilienz, die die Hotellerie auszeichnet. Soweit die guten Nachrichten. Denn noch immer geschwächt von den Folgen der Pandemie, kündigt sich das nächste Unwetter am Horizont an: Inflation, Fachkräftemängel, explodierende Kosten, stockende Lieferketten, Krieg in der Ukraine. Selten wurde die Branche mit derart schwerwiegenden Krisen gleichzeitig konfrontiert. Dem nicht genug. Allein bis Ende des Jahres 2024 werden in Deutschland über 70.000 neue Hotelzimmer zusätzlich um die Gunst der Gäste buhlen. Welche neuen Anforderungen ergeben sich in herausfordernden Zeiten wie diesen?

  1. Hotels in der Kostenzange: Preise rauf, Kosten runter?
    Die indexierten Mieten steigen konform zur Inflation. Energiekosten gehen durch die Decke. Und wer noch Fachkräfte findet, wird immer großzügigere Löhne einplanen müssen. Werden Hotelübernachtungen also teurer? Jein. Jüngste Studien haben ergeben, dass die Zimmerpreise zwar steigen, aber nicht im gleichen Maße wie die Kostenseite. Preissteigerungen können nicht bei allen Zielgruppen in gleicher Weise durchgesetzt werden. Während bei Freizeitreisenden und Konferenzen schon von „Revenge Travel“ die Rede ist, versuchen Hotels die Kostensteigerungen in den Rahmenverträge mit Firmen durchzusetzen, die wiederum ihre Reisebudgets eher kürzen. Eine Schlüsselqualifikation von Betreibergesellschaften liegt künftig in deren Möglichkeiten der Kostenskalierung durch Clustering und Digitalisierung. Hinter vorgehaltener Hand munkelt der Markt, dass man in nächster Zeit nicht nur eine Konsolidierung von Hotelketten sehen dürfte, sondern vielleicht auch mehr M&A-Aktivitäten zwischen Hotel- und Technologiekonzernen.
     
  2. EU-Taxonomie:
    Einst belächelt, heute Chefsache. Immer mehr steht das Thema ESG im Fokus der Betrachtung. Für Hotels bedeutet dies nicht nur die Forderung nach mehr Transparenz, um Energieverbräuche konkret nachzuhalten. Das grundsätzliche Bestreben von Win-Win-Situationen im Zeichen der Nachhaltigkeit wird sich beweisen müssen: Denn wird ein Betreiber die Meinung des Eigentümers teilen, dass z.B. ein zweistelliges Millioneninvestment in die Fassadenertüchtigung eine angemessene Verzinsung einbringen sollte? Immerhin sind Hotelimmobilien diesbezüglich in bester Gesellschaft, denn allen anderen Assetklassen blüht ein ähnliches Schicksal.
     
  3. Hohe Baukosten und stockende Lieferketten bremsen neue Developments:
    Der Mangel an attraktiven Innenstadtlagen, explodierende Grundstückspreise, kaum planbare Verfügbarkeit und Kosten von Baumaterialien sowie nicht zuletzt die steigenden Kapitalkosten verhageln die Kalkulation von Developern. Dies sind gute Nachrichten für Bestandshotels, die mitunter z.B. durch gute Mikrolagen einen Wettbewerbsvorteil gegenüber mancher Neuentwicklung aufweisen. Die Verlangsamung der Zuwachsraten auf Angebotsseite dürfte dem Bestand etwas Luft zur Neuausrichtung geben und sich positiv auf das Preisniveau auswirken.

Fazit

Nichts ist beständiger als der Wandel. Die Assetklasse Hotel wird mit einigen neuen Herausforderungen konfrontiert, die allerdings auch auf alle anderen Assetklassen einwirken. Das Chancen-Risiko-Profil von Hotels dürfte insbesondere wegen der hohen Resilienz und Anpassungsfähigkeit der Branche langfristig attraktiv bleiben.

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