Supermärkte und Q-Commerce – ein perfektes Match?

16.05.2022

Autor

Andreas Trumpp MRICS

Andreas Trumpp MRICS

Head of Research Europe

Savills Investment Management

Blogbeitrag

Supermärkte und Q-Commerce – ein perfektes Match?

Quick Commerce, kurz Q-Commerce, ist aus europäischen Städten nicht mehr wegzudenken. Insbesondere die Expresslieferung von Lebensmitteln hat während der Corona-Pandemie einen deutlichen Wachstumsschub erfahren. Der onlinebasierte Lebensmittelhandel in Europa konnte seinen Umsatz innerhalb eines Jahres um 49 Prozent steigern und machte 2020 fast 8 Prozent des Gesamtumsatzes im Onlinehandel aus (siehe Abb. 1).

In den letzten Monaten wurden bereits einige Kooperationen von Q-Commerce-Unternehmen mit großen Supermarktketten angekündigt – zum Beispiel zwischen Rewe und Flink in Deutschland sowie Tesco und Gorillas in Großbritannien.

Das Wachstum der Expresslieferdienste sowie die vermehrte Zusammenarbeit mit konventionellen Supermärkten wird sich auch auf den Immobilienmarkt auswirken. Für eine hohe Servicequalität und schnelle Lieferzeiten ist ein dichtes Netzwerk von Warenlagern erforderlich.

Bislang werden diese von den Expresslieferdiensten selbst angemietet. Doch die meisten der gemieteten Flächen sind auf den stationären Einzelhandel zugeschnitten. Exklusiv für den Onlinehandel genutzte Distributionsflächen, sogenannte „Dark Stores“, befinden sich in einer Grauzone zwischen Einzelhandel und Logistik. Darüber hinaus verursacht die Warenlieferung eine hohe Verkehrsbelastung, auf die derartige Standorte häufig nicht ausgelegt sind.

Die Partnerschaft mit Supermärkten, die bereits über eine gute Verkehrsanbindung und die benötigten Last-Mile-Strukturen verfügen, hilft den Lieferdiensten dabei, diese Herausforderungen zu überwinden. Dabei gilt es folgende Faktoren im Auge zu behalten:

  • Marktanteile: Das Supermarkt-Segment ist eigenkapitalintensiv. Die meisten Expresslieferdienste sind auf Wachstum ausgerichtete Start-ups, die von Private-Equity-Gesellschaften finanziert werden. Deshalb kommen vor allem die größeren Supermarktketten für eine Partnerschaft in Frage.

  • Risiko-/Renditeprofil: Bislang sind umsatzbasierte Mieten im Lebensmitteleinzelhandel in Europa nicht der Standard. Der zunehmende Umsatz durch den Onlinehandel sowie potenziell sinkende Umsätze im stationären Handel würden sich jedoch auf den Mietpreis auswirken. Inwieweit dies der Fall sein wird, ist bislang schwer abzuschätzen. Eine erhöhte Unsicherheit kann sich aber auf das Risiko-/Renditeprofil auswirken.

  • Lage: Ideale Standorte von Supermärkten insbesondere in den größeren Städten gewinnen noch mehr an Bedeutung. Für die Einhaltung der von Q-Commerce-Unternehmen versprochenen Lieferzeiten benötigen diese ein dichtes Netzwerk dezentraler Logistiklager. Die Supermarktketten mit dem besten Filialnetz werden hierbei als Gewinner hervorgehen.

  • Exklusivität: Es ist zu erwarten, dass die großen Supermarktketten mit einem ausgewählten Dienstleister zusammenarbeiten werden. Da es in den meisten europäischen Ländern nur wenige große Supermarktketten gibt, werden sich auf Dauer wahrscheinlich nur wenige Expresslieferdienste durchsetzen können.

Insgesamt können Supermärke vom Wachstum des Q-Commerce und Kooperationen profitieren. Supermärkte haben ihre Widerstandsfähigkeit gegenüber Krisen wie der Corona-Pandemie unter Beweis gestellt. Sie werden nun zu einem entscheidenden Faktor für Unternehmen, die eine Disruption in der Lebensmittelbranche vorantreiben. Somit bleiben Supermärkte ein attraktives Investment für institutionelle Investoren, die langfristig gesicherte und stabile Ausschüttungen anstreben.

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