ESG-Ansätze und Präferenzen

01.12.2022

Autor

Jörg Thomsen

Jörg Thomsen

Geschäftsführer

DeWert Deutsche Wertinvestment GmbH

Blogbeitrag

ESG-Ansätze und Präferenzen von Handelsimmobilien-Investoren

Nachhaltigkeitsaspekte bestimmen zunehmend das Handeln der Immobilien­-Akteure. ESG­-konforme Investments sind gesucht.

Im Sommer 2022 hat die Hahn Gruppe mit Unterstützung des Instituts UZ Bonn eine Befragung über die aktuelle Markteinschätzung und die Investitionsabsichten von in Deutschland ansässigen institutionellen Handelsimmobilien-Investoren und Finanzinstituten aus dem In- und Ausland durchgeführt. Im Mittelpunkt standen insbesondere Fragen zur ESG-Strategie der Befragten. An der Panelbefragung haben 44 Branchenexperten teilgenommen. Über die Hälfte der Befragten (53 Prozent) verwaltete jeweils ein Immobilienvermögen von über 3 Mrd. Euro.

Wirtschaftliche Herausforderungen dominieren – ESG steht auf der Agenda

Die Mehrheit der Experten (93 Prozent) sieht aktuell insbesondere die Zinsentwicklung im europäischen Raum in den kommenden Monaten als potenziellen Belastungsfaktor für die Investitionsaktivitäten. In diesem Kontext werden von den Experten ergänzend die Inflationsentwicklung (68 Prozent) sowie die generelle Eintrübung der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen (64 Prozent) als Hemmnisse angeführt.

Ein verändertes umweltpolitisches Bewusstsein sowie regulatorische Anforderungen wie der EU Action Plan on Sustainable Finance, der auf eine schrittweise Neuausrichtung von Kapitalflüssen hin zu nachhaltigen Investitionen abzielt, erfordern zusätzliche Anstrengungen im Bereich der ESG-Dimensionen (Umwelt, Soziales, Unternehmensführung). Die damit einhergehenden Herausforderungen werden mittlerweile von über der Hälfte der Befragungsteilnehmer (55 Prozent; Vorjahr: 49 Prozent) verstärkt wahrgenommen.

Investoren wollen tendenziell weiter zukaufen

Trotz des aktuell schwierigen wirtschaftlichen Umfelds zeichnet sich hinsichtlich der Kaufneigung der befragten Investoren ein weiterhin positives Bild ab. So verfolgen weit über die Hälfte der Befragten (64 Prozent) für 2022 die Investmentstrategie des moderaten Zukaufs von Handelsimmobilien für ihre Portfolios. 2021 waren es mit 72 Prozent noch etwas mehr, die moderat bzw. stark zukaufen wollten. Dabei richtet sich der Investmentfokus unverändert zum Vorjahr auf Fachmarkzentren und Supermärkte/Lebensmittel-Discounter. Im Objekttypen-Ranking werden diese von den Investoren zu 78 bzw. 65 Prozent als Investitionsziele genannt. Mit Nennungen von 35 Prozent der Befragten werden SB-Warenhäuser und Verbrauchermärkte auf Platz drei gerankt. Dahinter rangieren Mixed-Use Immobilien, Geschäftshäuser in 1A-Lagen sowie Bau- und Heimwerkermärkte. Nur bei 9 Prozent der Befragten besteht die Bereitschaft, in Shopping-Center zu investieren.

ESG – Zunehmend relevant für die Investitionsentscheidung

Die Betrachtung von Nachhaltigkeitsaspekten ist mittlerweile für die überwiegende Mehrheit der Handelsimmobilien-Investoren ein fester Bestandteil der Investitionsentscheidungen geworden. 55 Prozent der Befragten sehen darin einen sehr relevanten Faktor, weitere 39 Prozent halten diese zumindest für relevant. Folgerichtig geben 76 Prozent der Investoren an, dass ihr Unternehmen schon in ausgewiesene Nachhaltigkeitsinvestments investiert hat. Mittelfristig planen sogar 78 Prozent in anerkannte Nachhaltigkeitsinvestments zu investieren. Das Angebot der bereits als ESG-konform klassifizierten Immobilien ist allerdings noch begrenzt, sodass gut die Hälfte der Investoren (51 Prozent) derzeit bereit ist, für solche Immobilien einen Aufschlag von bis zu fünf Prozent zu zahlen bzw. 29 Prozent sogar einen Aufschlag von bis zu zehn Prozent akzeptieren würden (siehe Abbildung 1).

Quelle: Expertenbefragung HAHN Retail Real Estate Report 2022/2023

Ansätze zur Verbesserung der ESG­-Performance

Wo setzen Investoren und Asset Manager nun an, wenn es darum geht, die ESG-Performance von Handelsimmobilien zu verbessern? Gemäß unserer Befragung sind die gewählten Maßnahmen vielfältig. Systematisch umgesetzt werden bereits zu über 40 Prozent Initiativen zur CO2-Reduzierung und zur Minimierung des Ressourcenverbrauchs. Die Förderung der E-Mobilität, Photovoltaik, Smart Metering (digitale Verbrauchsmessung), grüne Mietverträge und Gebäudezertifizierungen, wie etwa DGNB, sind mit 20 bis 30 Prozent der Nennungen ebenfalls bereits vielfach in der breiten Anwendung (siehe Abbildung 2).

Quelle: Expertenbefragung HAHN Retail Real Estate Report 2022/2023

Fazit: Jetzt kommt es auf die Umsetzung an

Doch das ist erst der Anfang. Bei den Nachhaltigkeitsansätzen, die von den Investoren noch nicht systematisch betrieben werden, besteht mehrheitlich der Wunsch, diese ebenfalls zukünftig stärker zu integrieren. Das ist auch notwendig, denn die Herausforderungen im Immobilienbestand sind groß: Für den Asset Manager, für Investoren und für Mieter. Es bedarf bei den meisten Themen gemeinsamer Anstrengungen, um den größtmöglichen nachhaltigen Nutzen zu erzielen. Erfahrene Asset und Investment Manager bringen ihre Kenntnisse aus ESG-Projekten fortlaufend für ihre Anleger ein, um den Wandel zu mehr Nachhaltigkeit effizient zu koordinieren, zu priorisieren und zu begleiten.

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